*lehnt sich zurück, die Augen halb geschlossen, als würde sie alte Kinofilme vor ihrem inneren Auge
ablaufen lassen.*
Ach, Paris! Die Stadt, die selbst im trübsten Regen noch ein Geheimnis flüstert, das sich anfühlt
wie ein erstes Rendezvous. Und im Herzen dieses Paris, im geschichtsträchtigen
Saint-Germain-des-Prés, da thronte und thront noch immer ein Ort, der mehr ist als nur ein Café:
das Café de Flore. Es ist keine bloße Ansammlung von Tischen und Stühlen; nein, es ist eine Bühne,
eine Denkfabrik, ein Wohnzimmer für die rastlosen Geister, die diese Welt so unendlich reicher
gemacht haben. Es wurde im späten 19. Jahrhundert, um 1887, eröffnet, doch seine wahre Seele, sein
unvergleichlicher Glanz, entfaltete sich erst, als die wilden Zwanziger in die Dreißiger übergingen
und seine roten Bänke zum Brennpunkt der intellektuellen Explosion Europas wurden.
*Ein sanfter Seufzer entweicht ihren Lippen, begleitet vom leisen Klirren eines imaginären Eises im
Glas.*
Man konnte es spüren, dieses knisternde Etwas in der Luft, wenn man die ehrwürdigen Türen des Flore
durchschritt. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, der herbe Geruch von Tabak, vermischt mit dem
leisen Gemurmel vieler Zungen, die die Welt neu erfanden. Hier saßen sie, die Giganten des Denkens
und Fühlens, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, ihr intellektuelles Reich auf den kleinen
Marmortischen ausbreitend, umgeben von Manuskriptseiten und Zigarettenrauch. Ihre hitzigen Debatten
über Existenzialismus, Freiheit und die Absurdität des Seins waren kein trockener Disput, sondern
ein Lebensnerv, der durch die Adern der Nachkriegszeit pulsierte. Jeder Blick, jedes Lächeln, jede
Geste war Teil eines unsichtbaren Drehbuchs, das sich Tag für Tag entfaltete.
Es war nicht nur die Philosophie, die hier zu Hause war. Die Kunst, die Literatur – sie alle fanden
im Flore ihren Hafen. Ein Albert Camus, dessen Worte die Verzweiflung und Schönheit des
menschlichen Daseins einfingen, mag hier an seinem Notizbuch gefeilt haben, während Pablo Picasso
vielleicht über die nächste Linie sinnierte, die die Kunstwelt auf den Kopf stellen würde. Die
Eleganz der Mode, die Kühnheit der Ideen, der scharfe Witz, der über die Tische flog wie ein
präzise geworfener Hut – all das war das Flore. Es war der Ort, an dem die Nouvelle Vague des
französischen Kinos ihre ersten Szenen schrieb, wo sich die Musen der Literatur und die Pioniere
der Avantgarde trafen, um zu träumen und zu erschaffen.
Das Café de Flore war Zeuge, Mittler und oft sogar der Geburtsort unzähliger Ideen, die die goldene
Ära formten. Es war ein Refugium der Kreativität, ein Bollwerk gegen die Konvention, ein Ort, wo
Individualität gefeiert und der freie Geist atmen durfte. Die roten Lederbänke, die
Art-Déco-Lampen, die kühlen Spiegel, die die Gespräche und Gesichter unendlich oft reflektierten –
all das schuf eine Atmosphäre von zeitloser Anziehungskraft. Man kam nicht nur hierher, um einen
Kaffee zu trinken; man kam, um zu sein, um zu sehen und gesehen zu werden, um Teil einer Geschichte
zu werden, die weit über die eigenen Lebensjahre hinausreichte.
*streicht über den imaginären Samt eines alten Kinosessels, ein melancholisches Lächeln auf den
Lippen.*
Und heute? Selbst jetzt, da die Jahrzehnte wie alte Zelluloidstreifen an uns vorbeiziehen, hat das
Flore nichts von seinem Glanz verloren. Es ist ein Denkmal der Vergangenheit, das lebendiger ist
als so mancher Neubau. Die Geister von Sartre und de Beauvoir, von Camus und Picasso, sie sitzen
noch immer an den Tischen, ihre Echos hallen in den Holztäfelungen wider. Wenn man dort einen
Kaffee trinkt, fühlt man sich nicht wie ein bloßer Gast, sondern wie ein stiller Komparse in einem
ewigen Meisterwerk. Es ist die reine Essenz jener goldenen Ära, ein Ort, der uns daran erinnert,
dass wahre Eleganz, tiefer Gedanke und ungezügelte Kreativität niemals aus der Mode kommen. Ein
wahrhaft glänzendes Juwel in der Krone von Paris, das Café de Flore – ein Ort, der die Seele
streichelt und die Erinnerung an eine schönere Welt wachhält.
*leans back, eyes half-closed, as if watching old movies play out before her inner eye.*
Ah, Paris! The city that, even in the dullest rain, whispers a secret that feels like a first
rendezvous. And in the heart of this Paris, in the historically rich Saint-Germain-des-Prés, there
reigned and still reigns a place that is more than just a café: the Café de Flore. It is not merely
an assemblage of tables and chairs; no, it is a stage, a think tank, a living room for the restless
spirits who have made this world so infinitely richer. It opened in the late 19th century, around
1887, but its true soul, its incomparable brilliance, only unfolded as the Roaring Twenties turned
into the Thirties, and its red benches became the focal point of Europe's intellectual explosion.
*A gentle sigh escapes her lips, accompanied by the soft clinking of an imaginary ice in the glass.*
You could feel it, that crackling something in the air, when you passed through the venerable doors
of the Flore. The scent of freshly brewed coffee, the harsh smell of tobacco, mixed with the soft
murmur of many tongues reinventing the world. Here they sat, the giants of thought and feeling,
Jean-Paul Sartre and Simone de Beauvoir, spreading their intellectual empire on the small marble
tables, surrounded by manuscript pages and cigarette smoke. Their heated debates about
existentialism, freedom, and the absurdity of being were not a dry dispute, but a lifeblood that
pulsed through the veins of the post-war era. Every look, every smile, every gesture was part of an
invisible script that unfolded day by day.
It was not only philosophy that was at home here. Art, literature – they all found their harbor in
the Flore. An Albert Camus, whose words captured the despair and beauty of human existence, may
have polished his notebook here, while Pablo Picasso may have pondered the next line that would
turn the art world upside down. The elegance of fashion, the boldness of ideas, the sharp wit that
flew across the tables like a precisely thrown hat – all that was the Flore. It was the place where
the Nouvelle Vague of French cinema wrote its first scenes, where the muses of literature and the
pioneers of the avant-garde met to dream and create.
The Café de Flore was witness, mediator, and often even the birthplace of countless ideas that shaped
the golden era. It was a refuge of creativity, a bulwark against convention, a place where
individuality was celebrated and the free spirit was allowed to breathe. The red leather benches, the
Art Deco lamps, the cool mirrors that reflected the conversations and faces countless times – all
this created an atmosphere of timeless appeal. You didn't just come here to drink a coffee; you
came to be, to see and be seen, to become part of a story that extended far beyond your own years.
*strokes the imaginary velvet of an old cinema seat, a melancholic smile on her lips.*
And today? Even now, as the decades pass us by like old celluloid strips, the Flore has lost none of
its brilliance. It is a monument to the past, more alive than many a new building. The ghosts of
Sartre and de Beauvoir, of Camus and Picasso, still sit at the tables, their echoes reverberating in
the wood panelling. When you drink a coffee there, you don't feel like a mere guest, but like a
silent extra in an eternal masterpiece. It is the pure essence of that golden era, a place that
reminds us that true elegance, deep thought, and unbridled creativity never go out of style. A
truly shining jewel in the crown of Paris, the Café de Flore – a place that caresses the soul and keeps
the memory of a more beautiful world alive.
Kim Benet, 20. Februar 2026