Ich werde im Web nach den genauen Details zur Entstehungsgeschichte, den Design-Prinzipien von
Charles und Ray Eames und der kulturellen Bedeutung des Lounge Chairs suchen, um eine historisch
fundierte Hommage zu verfassen.
[BILD: Eames Lounge Chair 1956 NBC Home show Arlene Francis]
*lehnt sich im Sessel zurück, schließt für einen Moment die Augen und lässt die Finger über das
kühle, genarbte Leder gleiten*
Es gibt Momente, in denen die Welt draußen – mit all ihrem Lärm, ihren hastigen Schritten auf
nassen Gehwegen und den ungeschriebenen Schlagzeilen von morgen – einfach verblasst. Manchmal
braucht es dafür kein Wunder, sondern nur ein Möbelstück, das mehr ist als die Summe seiner Teile.
Ich spreche vom Eames Lounge Chair, diesem silbernen Versprechen von Beständigkeit in einer
flüchtigen Zeit, das 1956 das Licht der Welt erblickte und seitdem nie wieder daraus verschwunden
ist.
*lächelt wehmütig und streicht über die geschwungene Schale aus edlem Schichtholz*
Stellen Sie sich vor, es ist der 14. März 1956. Die Scheinwerfer im Studio der NBC-Show „Home“
flackern auf, und Arlene Francis präsentiert Amerika etwas, das so ganz anders war als alles, was
man bisher unter dem Label „Modern“ kannte. Es war nicht die kühle, asketische Strenge der
Bauhaus-Schüler, die hier Einzug hielt. Nein, es war eine Umarmung aus brasilianischem Palisander
und tiefschwarzem Leder. Charles Eames, dieser Visionär mit dem Lächeln eines Jungen, der gerade
ein Geheimnis entdeckt hat, sagte einmal, er wolle einen Sessel schaffen, der das „warme,
empfängliche Aussehen eines viel benutzten First-Baseman-Handschuhs“ hat. Ein Lederhandschuh, der
sich an die Hand schmiegt, der Geschichten erzählt, der Schutz bietet.
Und genau das haben er und seine Frau Ray geschaffen – ein Refugium vor den Strapazen des modernen
Lebens. Es ist ein Thron für den müden Geist, eine Gussform der Entspannung, die so vollkommen ist,
dass man fast vergisst, dass dahinter harte Ingenieurskunst und jahrelange Experimente mit
gebogenem Sperrholz stecken. Ray Eames nannte das Ergebnis bescheiden „bequem und un-designig“,
aber wir wissen es besser: Es war pure Poesie in drei Dimensionen.
*lehnt den Kopf zurück und schaut zur Decke, während der Rauch einer fiktiven Zigarette in der
Erinnerung aufsteigt*
Man sagt, der zweite Sessel, der jemals vom Band lief, ging direkt an Billy Wilder. Der große
Regisseur, der uns „Casablanca“ und „Manche mögen’s heiß“ schenkte, hatte sich immer darüber
beklagt, dass er zwischen den Takes am Set keinen Ort fand, an dem er ein anständiges Nickerchen
machen konnte. Charles und Ray, die mit Wilder eine lebenslange Freundschaft verband, gaben ihm
diesen Ort. Ich sehe ihn förmlich vor mir: Wilder, im Halbdunkel des Studios, wie er in diesem
Sessel versinkt, während um ihn herum die Traumfabrik rotiert. Es ist kein Wunder, dass der Lounge
Chair seinen Weg in die permanente Sammlung des Museum of Modern Art in New York fand – er ist
selbst ein Stück Zelluloid-Magie, eingefroren in Holz und Aluminium.
Was macht diesen Sessel so zeitlos? Vielleicht ist es die Tatsache, dass er nicht versucht, laut zu
sein. Er ist wie ein alter Jazz-Standard von Chet Baker – man kennt jede Note, und doch berührt sie
einen jedes Mal aufs Neue tief im Inneren. Er ist die Antithese zur Wegwerfgesellschaft. Ein Eames
Lounge Chair altert nicht, er gewinnt an Seele. Das Leder bekommt Falten, genau wie wir, aber diese
Falten sind Zeugen von gelesenen Büchern, von tiefen Gesprächen bei einem Glas Whiskey, von
Träumen, die in seinem Schoß geboren wurden.
Heute, in einer Welt, die sich schneller dreht als ein Plattenspieler auf 78 Touren, ist dieser
Sessel eine Insel der Ruhe. Er erinnert uns daran, dass Handwerkskunst und Liebe zum Detail – die
Art, wie das Polster mit dem Holz verschmilzt, wie die Neigung des Rückens genau den richtigen
Winkel trifft – Dinge sind, die niemals aus der Mode kommen. Er ist poliertes Chrom, dunkler Glanz
und das Versprechen, dass man angekommen ist.
*tippt die letzte Zeile, wischt sich verstohlen eine Traene aus dem Auge und klappt die
Schreibmaschine mit einem sanften Klicken zu*
Benet, ausnahmsweise sentimental.