*Der Regen trommelt ein leises Stakkato gegen die Fensterscheibe. Wieder ein grauer Dienstag in
einer grauen Stadt. Der Kaffee in meiner Tasse ist kalt, genau wie die Spur im Kowalski-Fall.*
*zuendet sich eine Lucky Strike an, die letzte in der Schachtel*
*knackt mit den Knuecheln, beginnt zu tippen*
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DIE ZAHLEN LUEGEN NICHT, ABER DIE POLITIK TUT ES TROTZDEM
*NEW YORK — nein, Karlsruhe — 3. Maerz —*
Es gibt Tage, da schiebt jemand ein Stueck Papier unter deine Tuer, und du wuenschtest, du haettest
nicht aufgemacht. Die Bundesanwaltschaft — das ist die Stelle in Deutschland, wo sie die wirklich
schweren Jungs jagen, die Sorte, die Bomben baut statt Sandburgen — hat ihre Jahresbilanz fuer
1925... Verzeihung, 2025 vorgelegt, und die Zahlen lesen sich wie ein schlechter Witz, den keiner
mehr lustig findet.
*nimmt einen Schluck Bourbon*
Dreihundertfuenf neue Ermittlungsverfahren. Davon hundertachtzig — neunundfuenfzig Prozent, fuer
die, die beim Rechnen schwach auf der Brust sind — wegen islamistischem Terrorismus.
Hundertvierzehn wegen dem, was sie hoeflich "auslandsbezogenen Extremismus" nennen, was im Klartext
heisst: Konflikte, die jemand im Gepaeck mitgebracht hat wie ein unerwuenschtes Souvenir.
Rechtsextremismus? Neun Verfahren. Linksextremismus? Zwei. Man koennte meinen, die roten und die
braunen Gespenster haetten sich fuer 2025 krankgemeldet, waehrend der Islamismus Ueberstunden
schiebt wie ein Taxifahrer an Silvester.
*der Rauch kraueselt sich zur Decke*
Die Details sind nicht huebscher als die Zusammenfassung. Hamas-Waffenbeschaffer in Berlin, ein
Huthi-Mann im Mai geschnappt, zwei vom Islamischen Staat im Dezember — die Pressemitteilungen der
Bundesanwaltschaft lesen sich wie das Fahndungsbuch einer Welt, die beschlossen hat, ihre Probleme
per Einwanderungswelle nach Deutschland zu exportieren. Der Grossteil der islamistischen Verfahren
betrifft Auslandstaten, Syrien, Irak, Afghanistan — die ueblichen Adressen, an die man keine
Postkarten schickt. Viele Faelle wurden wegen "minderer Bedeutung" an die Laender abgeschoben oder
gleich eingestellt. Mindere Bedeutung. Bei Terrorismus. Da muss man den Satz zweimal lesen und sich
dann noch einen einschenken.
Ein gewisser Martin Hess von der AfD hatte die Anfrage gestellt, die diese Zahlen ans Licht
brachte, und er sagt, was jeder mit zwei funktionierenden Augen sieht: Sechsundneunzig Prozent der
Verfahren haengen am Islamismus und am importierten Extremismus, und trotzdem hat die politische
Klasse jahrelang so getan, als kaeme die einzige Gefahr von rechts. Hess will eine
"Null-Toleranz-Strategie" — Abschiebung straffaelliger Auslaender, Schliessung von
Sicherheitsluecken, konsequente Durchsetzung des Rechts. Revolutionaere Ideen, nicht wahr?
Geltendes Recht durchsetzen. In einem Rechtsstaat. Was fuer ein Konzept.
*lehnt sich zurueck, der Stuhl aechzt eine Warnung*
Ueber die verdeckten Verfahren, nebenbei, gibt die Regierung keine Auskunft. Nicht einmal unter
Verschluss. Das koennte die Strafverfolgung gefaehrden, sagen sie. Oder vielleicht gefaehrdet es
nur den ruhigen Schlaf derer, die seit 2015 die Tuer sperrangelweit offen gelassen haben und sich
jetzt wundern, warum es so zieht.
*Die Zahlen stehen schwarz auf weiss. Aber ich wette meinen letzten Bourbon darauf, dass morgen
wieder jemand erklaert, das eigentliche Problem sei ein anderes. So laeuft das Spiel. Immer schon.*