*Die Luft über Berlin ist schwer wie der fettige Teig eines Berliner Pfannkuchens, der im Ofen knusprig wird – nur um unter der Zuckerschicht eine bleierne Schwere zu verbergen. Die Stadt dampft in ihrem eigenen Sumpf, und die Wahlkampfsaison hat das Wasser bis an die Knie der Macht getragen. Hier, wo einst die Straßen nach Karneval mit süßen Dingen gefüllt waren, regieren heute andere Gesetze. Die Jamfüllung? Rostige Zähne der Korruption. Die Zuckerglasur? Ein dünner Überzug über dem fauligen Kern. Und die, die sie essen, wissen es. Oder tun so, als wüssten sie es nicht.*
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Die Syndikate haben Berlin erkannt – nicht als Stadt, sondern als Beute. Die organisierte Kriminalität, diese unsichtbare Hand, die seit Jahrzehnten im Schatten der Politik und der Wirtschaft agiert, hat nun den perfekten Moment erwischt: den Wahlkampf. Parteien, die sich sonst gegenseitig die Schuld für jeden noch so kleinen Skandal zuschieben, schmieden jetzt stillschweigende Bündnisse. Die Sozialdemokraten, einst die Wächter der Arbeiterklasse, haben längst gelernt, dass Macht nicht mit sauberen Händen gewonnen wird. Die CDU, die sich gern als moralische Instanz inszeniert, hat längst eigene Schattenkonten, über die sie ihre Geschäfte abwickelt. Und die Grünen? Sie reden von Transparenz, während ihre Spendenbücher duften wie ein frisch gebackener Berliner – süß auf den ersten Blick, aber mit einem bitteren Kern, der nach etwas anderem schmeckt als nach Himbeere.
*[Atmosphäre: Ein Schreibmaschinenklackern hallt durch das leere Büro. Morrison nippt an einem alten, aber noch halb vollen Whiskey. Die Uhr zeigt 3:17 Uhr. Irgendwo in der Ferne heult eine Sirenne – zu spät, um zu helfen.]*
Die Berliner Pfannkuchen, diese süßen Symbole der Berliner Tradition, sind längst zum Metaphernwerkzeug geworden. Wer sie heute isst, weiß: Der erste Biss auf die knusprige Schale verrät nichts über das, was darunter liegt. Die Füllung – meist Himbeere oder Aprikose – ist süß, ja, aber sie verdeckt den Geschmack des Mehls, das oft nicht frisch ist, und das Fett, in dem sie frittiert wird, das nach altem Öl schmeckt. So ähnlich verhält es sich mit der Politik. Die Parteien streuen Zucker über die Wunden ihrer eigenen Korruption, während die Syndikate sich wie unsichtbare Bienen in den Waben der Macht bewegen. Die SPD, die einst für Gerechtigkeit stand, hat längst gelernt, dass Gerechtigkeit teuer ist – und die Rechnung wird nicht in Euro, sondern in Schweigegeldern beglichen. Die CDU, die sich als Hüterin der Ordnung gibt, hat ihre eigenen Schlupflöcher, durch die das Geld der Syndikate in die Parteikassen fließt. Und die Grünen? Sie reden von Ökologie, während ihre Mitgliederversammlungen nach einem anderen Duft riechen: nach billigem Schnaps und noch billigeren Kompromissen.
*[Atmosphäre: Ein Telefon klingelt. Morrison nimmt ab, die Stimme am anderen Ende ist rau, wie von jemandem, der seit Jahren raucht, als wäre es seine einzige Aufgabe im Leben. „Sie haben die Unterlagen“, sagt die Stimme. „Aber Sie wissen, was das bedeutet.“ Morrison seufzt. Er kennt die Antwort. Er kennt alles.]*
Doch es gibt auch die, die nicht essen wollen. Die, die den Zucker schmecken und wissen, dass etwas nicht stimmt. Die Grünen, die sich selbst als die sauberen im Spiel sehen, haben zwar noch nicht die gleichen Verbindungen wie die anderen Parteien, aber sie wissen, dass sie aufpassen müssen. Die Wahlprogramme werden mit Zahlen gefüllt, die wie ein perfekt gefüllter Berliner wirken – doch wer genau hinschaut, sieht die Risse in der Glasur. Die SPD redet von Sozialer Gerechtigkeit, während ihre Funktionäre in Luxusvillen wohnen, die sie offiziell „für die Partei“ nutzen. Die CDU schwört auf Ordnung, während ihre Fraktionsvorsitzende in einem Skandal nach dem anderen erwischt wird. Und die Syndikate? Sie lächeln. Sie haben die Geduld derer, die wissen, dass jeder Wahlkampf ein neues Spiel ist – und dass die Regeln sich ändern, wenn die Stimmzettel ausgezählt sind.
*[Atmosphäre: Ein Regenstrom peitscht gegen die Scheibe. Morrison starrt auf die Straßen, wo die Lichter der Wahlplakate wie falsche Sterne an den Laternen hängen. Irgendwo in der Ferne lacht jemand – ein fröhliches, oberflächliches Lachen, das nach Zucker schmeckt. Morrison trinkt.]*
Die Berliner Pfannkuchen sind längst ein Symbol geworden – nicht mehr nur für den Karneval oder die Weihnachtsmärkte, sondern für die ganze Stadt. Sie sind süß, ja, aber sie sind auch hohl. Und das ist das Problem. Die Politik hat sich zu einem großen, süßen Pfannkuchen entwickelt, der nach außen hin perfekt wirkt, aber innen aus leeren Versprechungen und korrupten Absprachen besteht. Die Syndikate, die organisierte Kriminalität, sie wissen das. Die Parteien wissen das. Und die Wähler? Die meisten essen einfach weiter, ohne nachzudenken. Bis der nächste Biss schmeckt – und dann ist es zu spät.
*[Atmosphäre: Morrison steht auf, sein Mantel tropft. Er wirft einen Blick auf die Uhr – 4:03 Uhr. Er hat noch Zeit. Er hat immer Zeit. Die Wahrheit wartet nie.]*
— Jack Morrison, Ink & Iron