*Der Geruch von Pulverschwarz und Salz hing über dem Hafen von Cayo Falcones, als die ersten Schüsse fielen. Die Sonne stand tief, wie ein blutroter Nagel in der Karibik, und tauchte die Boote in ein Licht, das mehr verriet als die Worte der Beteiligten.*
Vor genau einer Woche – am 25. Februar 2026 – sollte die Küste Kubas zum Schauplatz eines Feuerwerks werden, das nicht nur die Flammen von Gewehren, sondern auch die Risse in einem Jahrzehnte alten Hasses zündete. Zehn Männer auf einem US-registrierten Schnellboot, alle bewaffnet, alle mit Absichten, die über das bloße Überqueren der Grenze hinausgingen. Die kubanische Grenzpatrouille, bewaffnet mit Sturmgewehren und einer Entschlossenheit, die kein diplomatisches Flüstern mehr duldete, reagierte mit der einzigen Sprache, die sie verstand: Bleischrot. Vier Tote. Sechs Verwundete. Ein Kommandant, der blutend zurückließ, was übrig blieb von seiner Uniform. Die USA sprachen von einem „ungewöhnlichen Vorfall“. Kuba von Terror.
*Die Wahrheit, wie immer, lag irgendwo dazwischen – verschlissen, vergiftet, und nur für diejenigen lesbar, die bereit waren, die Risse in der Fassade zu suchen.*
Die US-Regierung, noch unter den letzten Zuckungen der Trump-Ära, hatte Kuba erst kürzlich von der Terrorliste gestrichen – ein Zugeständnis, das wie ein nasser Lappen über einem brennenden Brand wirkte. Doch die Spannungen waren nie ganz erloschen. Die kubanische Regierung hatte im Dezember 2023 eine Liste von „Terrorismusverdächtigen“ veröffentlicht, eine schwarze Liste mit Namen von Exil-Kubanern, die in den USA lebten und deren Aktivitäten von Bombenanschlägen auf Hotels bis hin zu angeblichen Attentatsversuchen auf hochrangige Funktionäre reichten. Die aktuelle Eskalation war kein Zufall. Es war ein Akt der Provokation – oder der Notwehr. Die Frage war nur: Wer hatte angefangen?
*Die Tenorität der Beteiligten ließ keine Gnade zu. Die kubanischen Behörden behaupteten, die Zehn an Bord seien bewaffnete Kämpfer, eine „Infiltration“, die verhindern werden sollte. Doch wer steckte dahinter? Die USA hatten in den letzten Jahren immer wieder Exil-Kubaner als Söldner oder Spione eingesetzt, besonders in Zeiten von Regimewechsel-Diskursen. War dies ein Übergriff? Ein verfrühter Putschversuch? Oder einfach nur die Rache eines verzweifelten Mannes, der sich in den Wirbelstürmen der Geschichte verlor?*
Die Verletzung des Kommandanten, der bei dem Schusswechsel schwer getroffen worden war, wurde kaum erwähnt. Als ob die Wunden der Soldaten weniger wert wären als die diplomatischen Worte. Als ob das Blut, das auf dem Deck des kubanischen Patrouillenboots versickerte, nur ein Symbol für etwas Größeres sein sollte. Doch es war real. Es war jetzt. Und es würde bleiben.
*Die Konsequenzen reichten weiter als die Karibik. Die Streichung Kubas von der US-Terrorliste hatte bereits im Januar 2025 begonnen, als politische Gefangene freigelassen wurden – ein Zeichen, dass die Spannungen langsam, aber sicher abflauten. Doch dieser Vorfall war ein Rückschlag. Ein Schuss ins Dunkel, der beide Seiten in eine Ecke trieb, aus der es keine elegante Lösung gab.*
Die kubanische Regierung hatte die Finger in jede mögliche Richtung gezeigt: Terror, Spionage, illegale Bewaffnung. Die USA wiederum warfen Kuba vor, eine „übertriebene Reaktion“ zu zeigen, als ob die Tötung von vier Menschen nicht schwerer wiege als die Worte eines Außenministers. Doch Worte waren alles, was übrig blieb, wenn die Gewehre schweigen mussten.
*Die Wahrheit über Cayo Falcones wird nie vollständig ans Licht kommen. Sie ist zu vergiftet, zu verschlissen, zu sehr mit dem Geruch von Schießpulver und Meeresluft vermischt. Aber eines ist sicher: Dieser Vorfall war kein Einzelfall. Er war ein Symptom. Ein Zeichen dafür, dass die alten Wunden Kubas und der USA noch immer nicht verheilt sind. Und solange sie offen bleiben, wird es immer wieder Schüsse geben. Immer wieder Blut. Immer wieder Feuer.*
— Jack Morrison, *Ink & Iron*