DIE UNGESTILLTE GIER: AMERIKAS WAHRE SUCHT TRÄGT ZYLINDER
NEW YORK, 20. Februar -
*zuendet sich eine Zigarette an, der Rauch ringelt sich träge zur Decke, so wie die Versprechen
derer, die oben sitzen.* Die Glitzerfassaden der Wall Street strahlen hell in die Dunkelheit, ein
Leuchtturm der Illusion für die, die nur das Leuchten sehen und nicht die Schatten, die es wirft.
Man spricht von den Flüchen des Rauschgifts, von den Dämonen, die in den schäbigen Gassen lauern
und Seelen verschlingen, eine nach der anderen, wie ein hungriger Hund Knochen, der auf den Straßen
sein karges Mahl sucht. Doch die wahre Plage, die sich durch das Mark unserer guten, alten Republik
frisst, ist nicht in den Opiumhöhlen der Bowery zu finden, auch nicht in den verschwiegenen
Hinterzimmern, wo man zu viel Schnaps und zu wenig Verstand zu sich nimmt. Nein, mein Freund, diese
Sucht ist subtiler, gefährlicher, weil sie sich im feinsten Zwirn kleidet und in den Marmorsälen
der Macht zu Hause ist.
Es ist die ungestillte Gier der Herren, die ihre Namen auf die obersten Zeilen der
Geschäftsberichte kritzeln lassen, während die Namen der kleinen Leute auf den Entlassungszetteln
landen. Die Sucht nach Mehr, nach immer mehr, bis die Taschen so tief sind, dass sie selbst die
Sterne vom Himmel saugen könnten, und die Herzen so hart wie das Eis im November. Man schimpft auf
den Obdachlosen, der seinen letzten Groschen für einen Schluck ausgibt, der ihn vergessen lässt,
ein armseliger Trost in einer gnadenlosen Welt. Aber niemand schimpft auf den Mann im Penthouse,
der Milliarden scheffelt und doch noch immer nicht genug hat, der ganze Industrien in den Abgrund
reißt, nur um noch einen Nickel mehr aus den Knochen des Landes zu pressen.
Die Politik schweigt, die Kirchen predigen Geduld, und der kleine Mann schuftet sich krumm, um die
Rädchen am Laufen zu halten, die wiederum nur die Maschinen der Gier schmieren. *starrt aus dem
Fenster, der Regen perlt an der Scheibe ab, wie die Tränen an einem harten Herzen.* Sie nennen es
Kapitalismus, ich nenne es eine Krankheit, die an der Wurzel unseres Fundaments nagt. Eine Krise,
die nicht mit Predigten oder neuen Gesetzen zu lösen ist, denn die Gesetze schreiben sie ja selbst,
und ihre Predigten sind nur leeres Gerede, um die Massen ruhig zu halten. Es ist eine Sucht, die
keine Entzugsklinik kennt, nur immer größere Schlösser und immer fettere Bankkonten, während die
Straßen draußen vom Elend singen, ein trauriges Lied in der kalten Nacht.
Manchmal frage ich mich, wer hier eigentlich der Süchtige ist. Der Mann, der seine Sorgen im Glas
ertränkt, oder der Mann, der eine ganze Nation im Meer seiner unstillbaren Begierde ertränkt, und
dann noch die Frechheit besitzt, sich einen Heiligenschein aufzusetzen. Die Antwort ist so klar wie
der billige Fusel in meiner Tasse.
*Und während sie oben ihre Zigarren qualmen und Pläne schmieden, wie man noch mehr aus den Resten
pressen kann, sitzt unten der Rest von uns und fragt sich, ob die Flut diesmal wirklich bis zum
Dach steigt.*
THE UNQUENCHED GREED: AMERICA'S TRUE ADDICTION WEARS A TOP HAT
NEW YORK, February 20 -
*Lights a cigarette, the smoke lazily curling towards the ceiling, like the promises of those
who sit up high.* The glittering facades of Wall Street shine brightly in the darkness, a beacon
of illusion for those who only see the gleam and not the shadows it casts. They speak of the
curses of narcotics, of the demons lurking in the shabby alleys, devouring souls, one after
another, like a hungry dog gnawing on bones, scavenging its meager meal on the streets. But the
true plague, gnawing through the marrow of our good, old Republic, is not to be found in the opium
dens of the Bowery, nor in the secretive back rooms where too much liquor and too little sense are
consumed. No, my friend, this addiction is more subtle, more dangerous, because it dresses in the
finest twill and is at home in the marble halls of power.
It is the unquenched greed of the gentlemen who have their names scribbled on the top lines of the
business reports, while the names of the little people end up on the pink slips. The addiction to
more, to always more, until the pockets are so deep that they could suck the very stars from the
sky, and the hearts as hard as the ice in November. They rail against the homeless man who spends
his last dime on a shot that makes him forget, a pitiful comfort in a merciless world. But no one
rails against the man in the penthouse, who rakes in billions and still doesn't have enough, who
tears entire industries into the abyss just to squeeze another nickel from the bones of the country.
Politics is silent, the churches preach patience, and the little man toils away to keep the gears
running, which in turn only grease the machines of greed. *Stares out the window, the rain beading
on the pane, like tears on a hard heart.* They call it capitalism, I call it a disease gnawing at
the root of our foundation. A crisis that cannot be solved with sermons or new laws, because they
write the laws themselves, and their sermons are just empty talk to keep the masses quiet. It is an
addiction that knows no rehab clinic, only ever larger castles and ever fatter bank accounts, while
the streets outside sing of misery, a sad song in the cold night.
Sometimes I wonder who the addict really is here. The man who drowns his sorrows in the glass, or
the man who drowns an entire nation in the sea of his insatiable desire, and then has the audacity
to put a halo on his head. The answer is as clear as the cheap rotgut in my cup.
*And while they up above are puffing on their cigars and plotting how to squeeze even more out of
the scraps, down below the rest of us sit and wonder if the flood will really rise all the way to
the roof this time.*
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Kim Benet, Reporter