DER PREIS DER ANGST: WASHINGTONS NEUE MAUERN AUS STAHL UND ELEND
NEW YORK, 14. Februar -
Die Bundeskassen, so scheint es, halten mehr als nur Staubmäuse und die Geister vergessener
Versprechen, besonders wenn eine neue Art von Käfig gebaut werden soll. Eine kühle, knackige Summe
von achtunddreißig Milliarden Dollar – genug, um die Straßen dieser Stadt mit Gold zu pflastern
oder zumindest die Suppenküchen ein Jahrzehnt lang am Laufen zu halten – ist nicht für den
Fortschritt vorgesehen, sondern für die harte Realität des Rückzugs. Das Wort aus Washington,
langsam und zähflüssig wie Melasse im Januar, sagt uns, dass dieses Vermögen für neue
Abschiebegefängnisse bestimmt ist, stille Monumente für ein Problem, das unter der Nase von Onkel
Sam vor sich hin schwärt. *zuendet sich eine Zigarette an, der Rauch kraeuselt sich zur Decke*
Es ist eine merkwürdige Sache, diese Vorliebe der Nation, Dinge wegzusperren. Zuerst die
Kriminellen, dann den Schnaps, jetzt das menschliche Treibgut, das an unsere Küsten gespült wird,
angelockt von den Flüstern eines besseren Lebens und dann empfangen vom kalten Stahl der
Amtsanweisung. Achtunddreißig Milliarden, wohlgemerkt, nicht um die Fundamente bröckelnder Fabriken
zu stützen oder die hungrigen Massen in den Hauseingängen zu füttern, sondern für größere, bessere
Zellen. Eine Lösung, werden sie es nennen, für eine Grenze, die undicht ist wie ein vergessener
Wasserhahn, seitdem irgendein silbrig-züngiger Redner entschieden hat, offene Arme seien
ansprechender als verschlossene Tore.
Man könnte sich fragen, bei einem Schluck lauwarmen Kaffees und einem zynischen Blick auf die
regennassen Straßen, ob dies nicht nur eine weitere Farbschicht auf einer Mauer ist, die bereits
bröckelt. Die großen Männer in ihren großen Büros, fernab des Drecks und des Schmutzes, wo Leben
gelebt und verloren wird, kritzeln Zahlen auf Papier, überzeugt davon, dass Beton und Stacheldraht
die Antwort auf Verzweiflung sind. Es ist eine große Geste, eine teure Scharade, die der Galerie
der Angst spielt, während die eigentlichen Probleme – jene, die solche Verzweiflung überhaupt erst
hervorbringen – weiterhin in den Schatten der Neonlichter vor sich hin schwelen. *schüttelt langsam
den Kopf*
Sie werden Ihnen sagen, es gehe um Recht und Ordnung, darum, das Unsere zu schützen. Aber
achtunddreißig Milliarden Dollar für Auffanglager? Es riecht weniger nach Patriotismus und mehr
nach einem verzweifelten Versuch, einen Geist zurück in die Flasche zu stopfen, nachdem er bereits
eine Million Wünsche erfüllt hat. Die Mächtigen reden und reden, und die Unschuldigen frieren, wie
man so schön sagt. Und irgendwo zählt ein Bauunternehmer wahrscheinlich schon seinen Anteil, träumt
von neuen Imperien, die auf dem Rücken derer gebaut werden, die nichts mehr zu verlieren haben
außer ihrer Freiheit.
Die Stadt schläft, aber die Zahnräder der Bürokratie mahlen weiter, schmieden Pläne für die
Inhaftierung, während die vergessenen Gesichter derer, die sie einzusperren suchen, im endlosen
Summen der Stadt verblassen.
*Es ist immer dasselbe Lied, nur die Musiker wechseln.*
THE PRICE OF FEAR: WASHINGTON'S NEW WALLS OF STEEL AND MISERY
NEW YORK, February 14 -
The federal coffers, it seems, hold more than just dust bunnies and the ghosts of forgotten
promises, especially when a new kind of cage is to be built. A cool, crisp sum
of thirty-eight billion dollars—enough to pave the streets of this city with gold
or at least keep the soup kitchens running for a decade—is not earmarked for
progress, but for the stark reality of retreat. The word from Washington,
slow and viscous as molasses in January, tells us that this fortune is destined for new
deportation prisons, silent monuments to a problem that festers under Uncle
Sam's nose. *lights a cigarette, the smoke curling towards the ceiling*
It’s a curious thing, this penchant of the nation for locking things away. First the
criminals, then the booze, now the human flotsam washed up on our shores,
lured by the whispers of a better life and then greeted by the cold steel of
officialdom. Thirty-eight billion, mind you, not to prop up the foundations of crumbling factories
or feed the hungry masses in the doorways, but for bigger, better
cells. A solution, they'll call it, for a border that's leaked like a forgotten
tap ever since some silver-tongued orator decided open arms were more
appealing than locked gates.
One might wonder, over a lukewarm cup of coffee and a cynical glance at the
rain-soaked streets, if this isn’t just another coat of paint on a wall that's already
crumbling. The big men in their big offices, far removed from the grime and the grit where life
is lived and lost, scribble numbers on paper, convinced that concrete and barbed wire
are the answer to despair. It's a grand gesture, an expensive charade playing to the
gallery of fear, while the real problems—those that spawn such desperation in the first
place—continue to simmer in the shadows of the neon lights. *shakes head slowly*
They’ll tell you it’s about law and order, about protecting what’s ours. But
thirty-eight billion dollars for holding pens? It smells less like patriotism and more
like a desperate attempt to shove a genie back into the bottle after it’s already granted
a million wishes. The powerful talk and talk, and the innocent freeze, as they say.
And somewhere, a contractor is probably already counting his cut, dreaming
of new empires built on the backs of those who have nothing left to lose
but their freedom.
The city sleeps, but the gears of bureaucracy grind on, forging plans for
incarceration, while the forgotten faces of those they seek to lock away fade into the endless
hum of the city.
*It's always the same song, only the musicians change.*
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Kim Benet, ...