EIN KÖNIGREICH FÜR EINE DEPESCHE: DER ALTE MANN VOM BERG IST GEFALLEN
*NEW YORK, 1. März -*
Der Regen trommelt ein leises Stakkato gegen die Fensterscheibe, ein Rhythmus so unerbittlich wie
eine unbezahlte Miete am Ersten des Monats. Wieder ein grauer Tag in einer grauen Stadt, in der die
Hoffnung meistens im Rinnstein landet, noch bevor die Morgenausgabe die Straße erreicht. Der Kaffee
in meiner Tasse ist kalt und schmeckt nach verbrannten Träumen, genau wie die letzte Spur im Fall
der Gerechtigkeit, die hier ohnehin niemand mehr bezahlen kann. *zuendet sich eine Lucky Strike an,
die letzte in der Schachtel*
Die Nachricht kam nicht auf leisen Sohlen; sie trat die Tür ein wie ein rachsüchtiger Gläubiger.
Präsident Trump, ein Mann, der Worte benutzt wie andere Leute Bleikugeln – laut, direkt und ohne
Rücksicht auf die Porzellanpuppen in den diplomatischen Salons – hat es in den Äther gejagt. Über
seine modernen elektrischen Kanäle ließ er die Welt wissen, dass die Uhr für Ayatollah Ali Khamenei
abgelaufen ist. Der oberste Herrscher des Irans, ein Mann, dessen Name in unseren Breitengraden so
fremd klingt wie eine vergessene Sprache, soll getötet worden sein.
*der Rauch kraeuselt sich zur Decke, während der Ventilator die verbrauchte Luft von gestern im
Kreis schiebt*
Es ist immer das gleiche Spiel auf dem großen Schachbrett, nur dass die Bauern diesmal aus Fleisch
und Blut sind und die Zeche für den Wein der Mächtigen zahlen. Kaum war die Tinte auf den
Telegrafenstreifen trocken, brach der Wahnsinn los. Von den staubigen Gassen des Orients bis zu den
schmierigen Pflastern der Metropolen riss es die Menschen von den Sitzen. Die einen tanzen auf den
Gräbern, als gäbe es morgen kein Erwachen mehr, während die anderen die Fäuste gen Himmel recken
und nach Rache schreien, als ob Gott heute Zeit hätte, sich in diesen Schlamassel einzumischen.
Manche Leute feiern, als wäre der Krieg damit vorbei, aber ich habe genug Leichen im Hafenbecken
gesehen, um zu wissen, dass ein leerer Stuhl nur Platz für einen neuen Despoten macht. Die Ordnung
der Welt ist ein zerbrechliches Glas, und wenn man den Boden ausschlägt, bekommt jeder ein paar
Splitter ab. Die Konservativen hierzulande werden nicken und von Gerechtigkeit sprechen, während
die Moralapostel in ihren Elfenbeintürmen bereits die nächste Empörung vorbereiten. Am Ende bleibt
nur der Lärm.
*lehnt sich zurueck, der Stuhl aechzt eine Warnung*
Es ist ein teures Geschäft, diese Weltpolitik. Bezahlt wird immer von den Kleinen, während die
Großen im Sandkasten mit den Schicksalen ganzer Nationen werfen. Khamenei ist fort, sagt der
Präsident. Ob das die Welt sicherer macht oder nur die nächste Lunte an das Pulverfass hält, wird
uns die Geschichte lehren – wahrscheinlich in einer Nacht, in der wir alle lieber schlafen würden.
*nimmt einen Schluck vom kalten Kaffee und verzieht das Gesicht*
*Wenn man einen Drachen köpft, sollte man sicherstellen, dass nicht zwei neue Köpfe aus dem Hals
wachsen, aber wer bin ich schon, das den Herren im Weißen Haus zu erklären?*