SCHWARZER REGEN ÜBER RAS TANURA: DER PERSISCHE GEIER SCHLÄGT ZU
*NEW YORK, 2. März 1937 -*
*Der Ventilator an der Decke knarzt wie ein alter Mann, der die Treppe hochsteigt, und bewegt nur
die verbrauchte Luft von gestern, die nach billigem Parfüm und Verzweiflung schmeckt.* Ein Stück
Papier rutschte unter meiner Tür durch, so leise wie ein schlechtes Gewissen, und die Nachricht
darauf ist schwärzer als der Kaffee, den ich seit drei Stunden ignoriere. Es geht um Öl, um Blut
und um die Art von Feigheit, die man heutzutage „Strategie“ nennt.
In den weiten, gnadenlosen Sanddünen von Saudi-Arabien, dort wo das schwarze Gold aus der Erde
blutet, um die Motoren unserer ach so zivilisierten Welt am Laufen zu halten, hat der Tod ein neues
Gesicht bekommen. Ein iranischer Drohnenträger hat die Aramco-Anlage in Ras Tanura ins Visier
genommen und getroffen. Man muss sich das vorstellen: Ein mechanisches Ungeheuer, eine Drohne, die
wie ein unheilvoller Bote ohne Herz und ohne Piloten durch die flirrende Hitze gleitet, hat die
Raffinerie zum Schweigen gebracht. Jetzt stehen die Räder still, die Schlote spucken keinen Rauch
mehr, und die Stille, die über der Anlage liegt, ist so schwer wie ein Leichentuch.
*nimmt einen Schluck vom kalten Kaffee und verzieht das Gesicht*
Die Quellen, die normalerweise nur dann den Mund aufmachen, wenn man ihnen genug Gin einflößt,
flüstern von einer Herkunft aus dem Jemen. Aber wir sind nicht dumm, oder? Wir wissen, dass hinter
diesen Marionetten aus dem Wüstensand die langen, öligen Finger der iranischen Revolutionsgarde
stecken. Ein IRGC-gesteuerter Terror-Stellvertreter – so nennt man das heute in den glänzenden
Büros der Diplomaten, wo man Angst hat, die Dinge beim Namen zu nennen. Es ist die alte Geschichte
vom Wolf im Schafspelz, nur dass der Wolf diesmal fliegen gelernt hat und die Schafe die Kontrolle
über die einzige Ressource verloren haben, die diese verdammte Welt noch zusammenhält.
Diese modernen Kriegstreiber sind zu fein geworden, um sich selbst die Hände schmutzig zu machen.
Sie schicken ihre Schatten vor, ihre „Proxies“, die nichts weiter sind als gedungene Mörder mit
einer Fernsteuerung in der Hand. Und während die Raffinerie in Flammen steht und die Weltwirtschaft
ins Wanken gerät wie ein Betrunkener auf Glatteis, sitzen die Drahtzieher in ihren dunklen Palästen
in Teheran und waschen sich die Hände in Unschuld, als wäre Blut nur roter Wein.
Die Ras Tanura-Anlage ist nun geschlossen, die Ventile verriegelt, und der Preis für das kostbare
Nass wird steigen wie die Flut im East River nach einem Herbststurm. Der kleine Mann in Brooklyn
wird es spüren, wenn er versucht, seinen Ford aufzutanken, um zu einer Arbeit zu fahren, die ihn
ohnehin nur langsam umbringt. Aber das interessiert die Herren im Osten wenig. Für sie ist ein
brennendes Ölfeld nur eine weitere Kerze auf dem Altar ihrer grenzenlosen Machtgier.
*zündet sich eine Lucky Strike an, die letzte in der Schachtel*
Wir leben in einer Zeit, in der man dem Feind nicht mehr in die Augen sehen muss, um ihm das Messer
in den Rücken zu rammen. Ein Knopfdruck, ein surrendes Geräusch am Himmel, und schon brennt die
Zukunft. Es ist ein trauriges Geschäft, dieses Leben, und die Nachrichten werden von Tag zu Tag
nicht besser, nur teurer.
*Der Rauch kräuselt sich zur Decke, formt Ringe, die so leer sind wie die Versprechungen auf einen
dauerhaften Frieden.*
*Manche Leute bauen Kathedralen, andere bauen Flugmaschinen ohne Seele. Am Ende landen wir alle im
selben Graben, nur dass die einen sauber bleiben und die anderen nach Öl und Schande stinken.*