STRASSENBAHN NIMMT UNTERPFAND DER HOFFNUNG: ALLTAGSDRAMA IM ASCHENEIMER DER METROPOLE
NEW YORK, 13. FEBRUAR -
Die Stadt hustet und spuckt, und manchmal, da verschluckt sie einfach. Ein weiterer trostloser
Nachmittag, gemalt in denselben monotonen Grautönen wie ein schlechtes Alibi, und das Grollen des
Fortschritts, oder was auch immer man heutzutage dafür hält, verwandelte sich in ein plötzliches,
widerliches Knirschen. Irgendwo in einer namenlosen Straße, wo der Dreck tausender vergessener
Träume sich in den Ritzen des Pflasters absetzt, beschloss eine Straßenbahn, dieses klobige
Metallungeheuer auf Schienen, dass sie mehr Platz brauchte. *Kim Benet zündet sich eine Lucky
Strike an, der Rauch ringelt sich um die nackte Glühbirne über ihrem Kopf.* Sie erfasste einen
Kinderwagen, so wird es wohl in den offiziellen Berichten heißen, ein Wagen für ein Kind, der so
unschuldig in den Pfad dieses unerbittlichen, gedankenlosen Stahls rollte.
Niemand stoppt die Uhr für solche kleineren Unannehmlichkeiten, nicht in dieser Stadt. Die
Metropole hat Millionen Geschichten zu erzählen, und die meisten von ihnen enden abrupt, ohne
großes Aufsehen. Das Kreischen von Metall auf Metall, das kurze, scharfe Keuchen eines Passanten,
dann die schnelle, effiziente Arbeit von Männern in Uniformen, die den Schutt und die Erinnerung
wegfegen. Es ist nur ein weiteres Zahnrad in der Maschine, eine weitere Kräuselung im abgestandenen
Kaffee des urbanen Lebens. Man wird von Sorglosigkeit sprechen, von abgelenkten Aufsehern, von dem
endlosen Marsch der Moderne, der Opfer von denen fordert, die es sich am wenigsten leisten können.
Die Räder der Stadt drehen sich und zermalmen mehr als nur Schotter. Sie zermalmen Hoffnung, sie
zermalmen Unschuld, und sie scheren sich wahrlich nicht um Kinderwagen. Die großartigen Architekten
dieses Betondschungels, die in ihren Elfenbeintürmen ihren teuren Whiskey schlürfen, werden
Erklärungen über Infrastruktur, über Sicherheitsmaßnahmen, über Verbesserungen abgeben, die mit dem
nächsten Wahlzyklus kommen werden – ein Versprechen, so dünn wie der Morgennebel. Aber hier
draußen, auf dem feuchten, unversöhnlichen Asphalt, wo die Neonschilder ihre grellen Farben in die
Dämmerung bluten lassen, ist die Wahrheit einfacher, kälter. Leben ist billig, und Schwung ist
alles. Entweder man hält mit, oder man wird überrollt. Und für jene, die es nicht können, nun, die
Stadt zieht weiter, hinterlässt nur ein schwaches Echo eines Schreis und den metallischen Geschmack
von etwas Zerbrochenem in der Luft. *Sie starrt aus dem Fenster, beobachtet, wie der Regen wieder
zu fallen beginnt und die harten Kanten der Gebäude in ein Aquarell der Verzweiflung taucht.* Die
Schlagzeilen werden von größeren Schlachten, großartigeren Plänen erfüllt sein, aber dies, dies ist
die wahre Geschichte, die sich in den anonymen Ecken abspielt, wo niemand es wagt, zu genau
hinzusehen.
TRAMCAR CLAIMS PLEDGE OF HOPE: EVERYDAY DRAMA IN THE ASHTRAY OF THE METROPOLIS
NEW YORK, FEBRUARY 13 -
The city coughs and spits, and sometimes, it simply swallows. Another bleak afternoon, painted in
the same monotonous shades of gray as a bad alibi, and the rumble of progress, or whatever one
considers it these days, turned into a sudden, sickening crunch. Somewhere on a nameless street,
where the grime of thousands of forgotten dreams settles in the cracks of the pavement, a tramcar,
that clunky metal behemoth on rails, decided it needed more space. *Kim Benet lights a Lucky
Strike, the smoke curling around the bare bulb above her head.* It caught a baby carriage, or so it
will probably be called in the official reports, a carriage for a child, that rolled so innocently into
the path of this relentless, unthinking steel.
Nobody stops the clock for such minor inconveniences, not in this city. The metropolis has millions
of stories to tell, and most of them end abruptly, without much fuss. The screech of metal on metal,
the short, sharp gasp of a passerby, then the quick, efficient work of men in uniforms, sweeping away
the debris and the memory. It’s just another cog in the machine, another ripple in the stale coffee of
urban life. They will speak of carelessness, of distracted overseers, of the endless march of
modernity that demands sacrifices from those who can least afford it. The wheels of the city turn and
crush more than just gravel. They crush hope, they crush innocence, and they truly don’t give a damn
about baby carriages. The great architects of this concrete jungle, sipping their expensive whiskey in
their ivory towers, will offer explanations about infrastructure, about safety measures, about
improvements that will come with the next election cycle – a promise as thin as the morning mist. But
out here, on the damp, unforgiving asphalt, where the neon signs bleed their garish colors into the
twilight, the truth is simpler, colder. Life is cheap, and momentum is everything. Either you keep up,
or you get run over. And for those who can’t, well, the city moves on, leaving only a faint echo of a
scream and the metallic taste of something broken in the air. *She stares out the window, watching
the rain begin to fall again, turning the hard edges of the buildings into a watercolor of despair.* The
headlines will be filled with bigger battles, grander schemes, but this, this is the real story, playing
out in the anonymous corners where no one dares to look too closely.
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GLOSSARY
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- Tramcar: Straßenbahn
- Claims: Nimmt
- Pledge: Unterpfand
- Ashtray: Ascheneimer
- Bleak: Trostloser
- Alibi: Alibi
- Behemoth: Ungeheuer
- Grime: Dreck
- Baby Carriage: Kinderwagen
- Fuss: Aufsehen
- Overseers: Aufsehern
- Infrastructure: Infrastruktur
- Garish: Grellen
- Schemes: Pläne
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SECTION 1
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- Point 1
- Point 2
- Point 3
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SECTION 2
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- Point 4
- Point 5
- Point 6
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Kim Benet, reporting from the edge of oblivion.