SCHATTEN ÜBER DEN SCHULHÖFEN: EIN LEHRER UND DAS ECHO DES ZORNS
NEW YORK, 17. Februar –
Der Regen trommelt ein leises Stakkato gegen die Fensterscheibe, so unermüdlich wie die Gerüchte,
die sich durch diese Stadt fressen. Irgendwo im fernen Chicago, wo die Winde pfeifen und die Seelen
kälter sind als der eiskalte Lake Michigan im Januar, hat sich ein weiterer Akt des öffentlichen
Theaters abgespielt. Ein Mann, ein Lehrer, dessen Beruf es einst war, junge Gehirne mit Fakten zu
füttern, fand seine Karriere abrupt beendet. Der Grund? Eine handvoll Worte, gekritzelt in den
flüchtigen Äther eines dieser neuen 'Social-Media'-Kanäle, die den Menschen vorgaukeln, ihre
Gedanken seien wichtiger als der Kaffee am Morgen. *zündet sich eine Zigarette an, der Rauch
kräuselt sich zur Decke*
Die Phrase, so heißt es, war kurz und bündig, ein spöttisches "GO ICE!" das die Wellen der Empörung
höher schlagen ließ als jede Flut am Hudson. Die genaue Bedeutung dieser zwei Worte mag im Nebel
des allgemeinen Starrsinns verschwunden sein, doch ihre Wirkung war unbestreitbar. Schüler, die
sich sonst wohl kaum für die Feinheiten der Welt außerhalb ihrer Schulbücher interessieren, und
Eltern, die oft genug zu beschäftigt sind, um zu bemerken, was ihre Sprösslinge wirklich treiben,
fanden plötzlich eine gemeinsame Stimme. Eine Stimme, die nicht nach Vernunft klang, sondern nach
dem hungrigen Gebrüll einer Meute, die Blut wittert.
Der Mann, dessen Name bald so vergessen sein wird wie der letzte Schnaps im Glas eines Trinkers,
zog die Konsequenzen. Er trat zurück, oder wurde, wie man es in diesen aufgeklärten Zeiten gerne
umschreibt, 'entfernt', um den 'Frieden' in der Gemeinde wiederherzustellen. Ein Frieden, der so
zerbrechlich ist wie ein alter Zeitungsdruck, der beim ersten Windstoß zerfällt. Es ist die alte
Leier: Jemand äußert einen Gedanken, der nicht ins gängige Korsett passt, und schon ist die Hölle
los. Die Moralprediger und Tugendwächter erheben ihre Stimmen, bewaffnet mit der billigen Waffe der
öffentlichen Meinung, und ein Leben, eine Karriere, wird zermalmt unter dem Gewicht der kollektiven
Entrüstung.
Es ist eine traurige Reflexion unserer Zeit, dass ein paar Buchstaben, herausposaunt in die
digitale Leere, mehr Macht besitzen als Jahre des Lehrens und Erziehens. Es zeigt, wie dünn die
Eisdecke ist, auf der wir alle balancieren, wie schnell die Fackeln entzündet sind, wenn eine
Abweichung vom vorgeschriebenen Pfad bemerkt wird. *lehnt sich zurück, der Stuhl ächzt eine
Warnung* Die Freiheit des Wortes, einst ein Leuchtturm in der stürmischen See, verkommt zu einer
gefährlichen Spielerei, deren Ausgang nicht in der Logik, sondern im hysterischen Echo der Masse
liegt. Und am Ende bleibt die Frage: Wer entscheidet eigentlich, was gesagt werden darf und was
nicht, und vor allem, wer zieht als Nächstes den Kürzeren in diesem immerwährenden Zirkus der
Empörung?
*Manchmal fühlt es sich an, als würden wir alle nur noch auf den nächsten Funken warten, um das
ganze gottverdammte Kartenhaus in Flammen aufgehen zu lassen. Ein trauriges Schauspiel, dem man mit
einem guten Whiskey am besten beiwohnt.*
SHADOWS OVER THE SCHOOLYARDS: A TEACHER AND THE ECHO OF WRATH
NEW YORK, February 17 –
The rain drums a soft staccato against the windowpane, as relentless as the rumors that gnaw
through this city. Somewhere in distant Chicago, where the winds howl and the souls are colder
than the ice-cold Lake Michigan in January, another act of public theater has unfolded. A man, a
teacher, whose profession it once was to feed young brains with facts, found his career abruptly
ended. The reason? A handful of words, scrawled into the fleeting ether of one of those new
'social media' channels that delude people into thinking their thoughts are more important than the
morning coffee. *lights a cigarette, the smoke curls towards the ceiling*
The phrase, it is said, was short and concise, a mocking "GO ICE!" that made the waves of outrage
rise higher than any tide on the Hudson. The exact meaning of these two words may have vanished in
the fog of general stubbornness, but their effect was undeniable. Students, who otherwise would
hardly be interested in the subtleties of the world outside their schoolbooks, and parents, who are
often too busy to notice what their offspring are really up to, suddenly found a common voice. A
voice that did not sound like reason, but like the hungry roar of a pack that smells blood.
The man, whose name will soon be as forgotten as the last shot in a drinker's glass, faced the
consequences. He resigned, or was, as they like to euphemistically say in these enlightened times,
'removed' to restore 'peace' in the community. A peace as fragile as an old newspaper print that
crumbles at the first gust of wind. It's the same old story: Someone expresses a thought that
doesn't fit into the common corset, and all hell breaks loose. The moralizers and virtue guardians
raise their voices, armed with the cheap weapon of public opinion, and a life, a career, is crushed
under the weight of collective outrage.
It is a sad reflection of our time that a few letters, blared into the digital void, possess more
power than years of teaching and educating. It shows how thin the sheet of ice is on which we all
balance, how quickly the torches are lit when a deviation from the prescribed path is noticed.
*leans back, the chair creaks a warning* The freedom of speech, once a lighthouse in the stormy
sea, is degenerating into a dangerous game whose outcome lies not in logic, but in the hysterical
echo of the masses. And in the end, the question remains: Who actually decides what can and cannot
be said, and above all, who will be next to come off worse in this never-ending circus of outrage?
*Sometimes it feels like we're all just waiting for the next spark to set the whole damn house of
cards on fire. A sad spectacle best watched with a good whiskey.*
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Kim Benet, The Tribune's Man in the Shadows