BLUT IM FERNEN SAND – NORDNIGERIA ZÄHLT DIE TOTEN, WÄHREND DIE WELT IHRE AUGEN SCHLIESST
NEW YORK, 15. Februar 1937 –
Der Ticker tape klapperte heute Morgen seine monotone Melodie, spuckte die übliche Mischung aus
zweifelhaften Marktberichten und den vergoldeten Verkündigungen von Männern aus, die mit silbernen
Zungen sprechen, aber in Messing handeln. Das meiste davon, eine flackernde Parade von Schatten und
Geflüster, zieht unbemerkt vorüber, eine weitere Groschenroman-Tragödie oder das neueste
Versprechen eines Politikers, das sich wie billiges Aspirin in lauwarmem Wasser auflöst. Doch
eingezwängt zwischen den fetten Schlagzeilen, die von häuslichen Zänkereien und der unaufhörlich
ratternden Maschinerie der Stadt schreien, fand sich eine Zeile, kahl und kalt wie eine
Winterdämmerung, gezogen aus den dampfenden Dschungeln und trockenen Ebenen eines Ortes, den die
meisten Leute nur auf einer verblichenen Karte erahnen – Nordnigeria. *Zündet sich eine Lucky
Strike an, der Rauch ringelt sich zur schmutzigen Decke.*
Dort draußen, jenseits der Reichweite unserer Straßenlaternen und des beruhigenden Murmelns
nächtlicher Radios, wo der Staub wahrscheinlich nach Blut und alten Geheimnissen schmeckt, wurde
mindestens zweiunddreißig Seelen ihre irdische Pacht gewaltsam entzogen. Unbekannte Bewaffnete,
eine gesichtslose Legion der Verzweiflung, entschieden über ihr Schicksal und ritzten eine frische
Strichliste in die uralte, müde Erde. Die wenigen Bewohner, die übrig blieben, um Zeugnis
abzulegen, ihre Stimmen zweifellos heiser vor Kummer und Wüstenwind, übermittelten die düstere
Arithmetik jedem, der noch bereit war zuzuhören, ihre Worte ein schwaches Echo gegen die
Gleichgültigkeit einer Welt, die zu sehr damit beschäftigt ist, ihrem eigenen Schwanz nachzujagen.
Es ist die Art von Nachricht, die kaum die Oberfläche unseres Morgenkaffees kräuselt, ein fernes
Zittern, verschluckt vom Donner der U-Bahn und dem unerbittlichen Lauf der Zeit.
Und so geht es weiter. Eine weitere Depesche von den zerfransten Rändern der Zivilisation, ein
weiterer Leichenberg, der für eine flüchtige Erwähnung gerade bedeutsam genug befunden wird, aber
nicht ganz genug, um den Schlaf der Mächtigen zu stören. Die großen Architekten unseres Schicksals,
jene, die ihren importierten Whiskey in getäfelten Büros mit Blick auf den Central Park schlürfen,
werden ein höfliches Seufzen, vielleicht ein ernstes, maßgeschneidertes Stirnrunzeln hervorholen,
bevor sie ihre Aufmerksamkeit den wichtigeren Belangen ihrer Geschäftsbücher und ihrer
Vermächtnisse zuwenden. Gerechtigkeit, in diesen vergessenen Winkeln des Erdballs, scheint oft ein
Luxus zu sein, den sich nur wenige leisten können, sie kommt zu spät oder gar nicht, ein Geist, der
in den flackernden Schatten des ewigen Konflikts tanzt. *Nimmt einen Zug, die Zigarette brennt zu
einem bitteren Stummel herunter.*
*Der Regen hat wieder eingesetzt, ein sanftes Tattoo auf der Fensterscheibe, das den Schmutz der
Stadt in die Gosse spült. Er wird die Flecken aus fernen Ländern nicht abwaschen. Manche
Geschichten, sehen Sie, sind in Blut geschrieben, nicht in Tinte, und die finden selten ihr Happy
End.*
BLOOD IN THE DISTANT SAND - NORTHERN NIGERIA COUNTS THE DEAD AS THE WORLD CLOSES ITS EYES
NEW YORK, February 15, 1937 –
The ticker tape clattered its monotonous melody this morning, spewing out the usual mix of
dubious market reports and the gilded pronouncements of men who speak with silver
tongues, but deal in brass. Most of it, a flickering parade of shadows and
whispers, passes unnoticed, another dime-novel tragedy or the latest
promise of a politician, dissolving like cheap aspirin in lukewarm water. Yet
squeezed between the fat headlines that scream of domestic squabbles and the relentlessly
rattling machinery of the city, a line was found, bare and cold as a
winter twilight, drawn from the steaming jungles and dry plains of a place that most
people only surmise on a faded map – Northern Nigeria. *Lights a Lucky
Strike, the smoke curls to the dirty ceiling.*
Out there, beyond the reach of our streetlights and the soothing murmur of
nightly radios, where the dust probably tastes of blood and old secrets,
at least thirty-two souls were forcibly deprived of their earthly lease. Unknown gunmen,
a faceless legion of despair, decided their fate, etching a fresh
tally mark into the ancient, weary earth. The few residents who remained to bear
witness, their voices no doubt hoarse from grief and desert wind, conveyed the grim
arithmetic to anyone still willing to listen, their words a faint echo against the
indifference of a world too busy chasing its own tail.
It's the kind of news that barely ripples the surface of our morning coffee, a distant
tremor, swallowed by the thunder of the subway and the relentless march of time.
And so it goes. Another dispatch from the frayed edges of civilization, another
heap of corpses deemed just significant enough for a fleeting mention, but
not quite enough to disturb the sleep of the mighty. The great architects of our destiny,
those who sip their imported whiskey in paneled offices overlooking Central Park,
will elicit a polite sigh, perhaps a grave, tailored frown,
before turning their attention to the more important matters of their ledgers and
their legacies. Justice, in these forgotten corners of the globe, often seems to be a
luxury that few can afford, it comes too late or not at all, a ghost that
dances in the flickering shadows of eternal conflict. *Takes a drag, the cigarette burns down to
a bitter stub.*
*The rain has started again, a gentle tattoo on the windowpane, washing the dirt of
the city into the gutter. It won't wash away the stains from distant lands. Some
stories, you see, are written in blood, not ink, and those rarely find their happy
ending.*
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Kim Benet, ...