*zuendet sich eine Lucky Strike an, der Rauch kraeuselt sich zur Decke*
Der Ventilator an der Decke knarzt wie ein alter Mann, der die Treppe hochsteigt, und bewegt nur
die verbrauchte, stickige Luft von gestern. Draußen peitscht der Regen gegen das Fenster der
Redaktion, ein unermüdlicher Rhythmus, der den Schmutz der Stadt in die Rinnsteine spült, während
ich auf das Telegramm starre, das gerade erst unter meiner Tür durchgeschoben wurde. Es ist eine
Nachricht aus Washington, jenem Sumpf aus Tinte und Gleichgültigkeit, in dem Versprechen
normalerweise schneller begraben werden als ein Kleinkrimineller in den Pine Barrens.
DIE AKTENBERGE SCHMELZEN: GERECHTIGKEIT FUER UNSERE JUNGS
*NEW YORK, 26. Februar -*
Es gab eine Zeit, da war die Bürokratie in diesem Land wie ein langsamer, schleichender Tod durch
tausend kleine Nadelstiche aus Papier. Unsere Jungs kamen aus dem Dreck der Gräben zurück, die
Lungen voll Gas und die Seelen voll Narben, nur um festzustellen, dass der wahre Feind nicht in
Feldgrau gekleidet war, sondern in den maßgeschneiderten Anzügen der Sesselpupser in der Hauptstadt
saß. Sechs Jahre lang stapelten sich die Anträge auf Veteranenentschädigung wie leere
Schnapsflaschen in einer Gosse hinter dem Blue Moon Café – ein Denkmal der Unfähigkeit, das höher
reichte als das Chrysler Building.
Doch wie es scheint, hat jemand in Washington endlich die Peitsche rausgeholt und den Papieratmern
das Laufen beigebracht. Zum ersten Mal seit über einer halben Ewigkeit – sechs verdammten Jahren,
in denen viele Männer wohl eher das Zeitliche segneten, als einen Scheck zu sehen – ist der
Rückstau der unerledigten Fälle unter die Marke von 100.000 gesunken. Für einen Außenstehenden mag
das wie eine bloße Zahl klingen, trocken wie der Martini eines staubigen Buchhalters, aber für die
Männer, die ihren Kopf für dieses Land hingehalten haben, ist es das erste Mal, dass der Staat sein
Wort hält, anstatt es in einer verstaubten Schublade verschwinden zu lassen.
Die aktuelle Administration scheint begriffen zu haben, dass man ein Land nicht mit warmen Worten
und leeren Taschen führt. Während die Vorgänger sich wohl lieber in den Spiegeln ihrer eigenen
Eitelkeit sonnten und die Aktenstapel wie schlechten Wein reifen ließen, wurde hier ordentlich
ausgemistet. Es ist eine Effizienz, die man sonst nur von einem gut geölten Revolver kennt. Die
Berichte sprechen von Rekordwerten im Service, als hätte man den Bleistiftquälern endlich
klargemacht, dass ihre Bequemlichkeit nicht über dem Überleben unserer Veteranen steht.
Man sagt, der Fisch stinkt vom Kopf her, aber wenn der Wind dreht, weht er manchmal auch den Geruch
von frischer Tinte und erledigter Arbeit herüber. Es ist ein seltener Sieg der Vernunft über den
Wahnsinn der Verwaltung, ein kleiner Lichtblick in einer Stadt, die sonst nur Schatten kennt. Ob
dieser neue Elan anhält oder ob die Bürokratie nur kurz den Atem anhält, bevor sie uns wieder alle
verschlingt, bleibt abzuwarten. Aber heute, zumindest heute, können ein paar Männer mehr ihre Miete
bezahlen, ohne vorher um Erlaubnis in dreifacher Ausfertigung bitten zu müssen.
*nimmt einen tiefen Schluck vom kalten Kaffee und starrt aus dem Fenster*
*Ein Wunder, dass überhaupt noch jemand arbeitet, ohne dass vorher geschmiert werden muss.
Vielleicht haben sie in Washington einfach nur die Fenster aufgemacht und der Wind hat den ganzen
alten Plunder weggeblasen. Man wird ja wohl noch träumen dürfen, bevor die nächste Rechnung
eintrudelt.*