*Der Regen trommelt ein leises Stakkato gegen die Fensterscheibe. Wieder ein grauer Tag in einer
grauen Stadt. Der Kaffee in meiner Tasse ist kalt, genau wie die Moral in den Gassen von
Washington. Ich starre auf das Blatt Papier, das man mir unter der Tür durchgeschoben hat. Blut und
Blei, die übliche Diät für eine Nation, die ihren Kompass verloren hat.*
*zündet sich eine Lucky Strike an, die letzte in der Schachtel*
BLEI-HAGEL ÜBER DEM FAMILIENHERD: DAS WUNDER DER EMMA TAYLOR
*WASHINGTON, 27. Februar -*
Es dauert keine zehn Sekunden, um die Illusion von Sicherheit in diesem Land zu zerfetzen, weniger
Zeit, als ein ehrlicher Mann braucht, um seinen Hut zu ziehen oder sich über die steigenden
Brotpreise zu beschweren. In der Hauptstadt, wo die Marmorsäulen der Macht so tun, als würden sie
den Himmel stützen, während das Fundament längst von Ratten zerfressen wird, hat die Barbarei ein
neues Kapitel geschrieben. Drei Gestalten, deren Seelen wohl schwärzer sind als der Asphalt nach
einem Wolkenbruch, traten aus den Schatten und verwandelten ein einfaches Familienhaus in ein Sieb
aus Holz und Glas.
Man sagt, es waren über fünfzig Schüsse. Fünfzig Boten des Todes, abgefeuert aus den automatischen
Läufen von Männern, die das Handwerk des Mordens besser beherrschen als jeder ehrliche Handwerker
sein Metier. Es war ein mechanisches Gewitter, ein Crescendo der Gewalt, das kaum länger währte als
der Atemzug eines Ertrinkenden. Inmitten dieses Wahnsinns stand Emma Taylor, ein Mädchen von
einundzwanzig Jahren, das eigentlich nichts anderes vom Leben erwarten sollte als einen Tanz am
Samstagabend oder einen Funken Hoffnung in diesen harten Zeiten.
Fünfmal fand das heiße Blei seinen Weg in ihren Körper. Fünfmal versuchte der Sensenmann, seine
kalte Hand nach ihr auszustrecken, während die Wände um sie herum unter dem Einschlag der
Projektile erzitterten. Doch Emma Taylor dachte nicht daran, dem Schicksal diesen Gefallen zu tun.
Während die Schützen in der Dunkelheit verschwanden wie feige Hunde, die in die Nacht bellen, blieb
sie am Leben – ein lebender Beweis dafür, dass selbst fünfzig Kugeln den menschlichen Geist nicht
immer brechen können, wenn er aus dem richtigen Holz geschnitzt ist.
Die Polizei wird wieder Berichte schreiben, die Aktenstapel werden wachsen, und die Herren in den
sauberen Anzügen werden im Kongress über Statistiken debattieren, während das einfache Volk in
seinen Betten zittert und sich fragt, ob die eigene Haustür dem nächsten Sturm standhält. Es ist
eine Welt geworden, in der die Ordnung nur noch ein Wort in alten Büchern ist und das Recht des
Stärkeren mit der Geschwindigkeit einer Thompson-Maschinenpistole durchgesetzt wird. Wenn der
Familienherd nicht einmal mehr vor dem Abschaum der Straße sicher ist, dann ist das Licht der
Zivilisation nur noch ein flackernder Docht in einem zugigen Raum.
*bläst den Rauch langsam aus und starrt auf die Schreibmaschine*
*Manche Leute überleben fünf Kugeln, nur um am Ende festzustellen, dass das Leben danach auch nicht
viel freundlicher zu ihnen ist. Das Glück ist eine launische Dame, und in Washington hat sie heute
Abend ein sehr blutiges Kleid getragen.*