THE CASE
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Ein riesiges Areal in den Pinelands von New Jersey, irgendwo in Burlington County, das den Namen
eines Toten trägt, der noch gar nicht weiß, dass er einer sein wird. Es geht um ein Nest aus Beton
und Stahl, das sich über Tausende von Hektar frisst und in den Akten als McGuire Air Force Base
geführt wird. Ein Ort, an dem Männer in Uniform den Himmel beherrschen wollen, während wir hier
unten im Dreck festsitzen. Mein Auftrag war es, diesen militärischen Koloss zu durchleuchten und
herauszufinden, was hinter den Zäunen von Wrightstown wirklich vor sich geht.
*Kim zündet sich eine Zigarette an, der Rauch vermischt sich mit dem Staub der Jalousien*
THE FACTS
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Die Akten, die ich aus den Archiven der Jungs von Wikipedia und den offiziellen Militärberichten
gefischt habe, sprechen eine deutliche Sprache:
- Die Basis wurde ursprünglich 1941 als Fort Dix Army Air Base aus dem Boden gestampft, gerade als
der große Regen des Krieges am Horizont aufzog.
- Im Jahr 1948 wurde der Ort nach Major Thomas B. McGuire Jr. benannt, einem Fliegerass, das im
Pazifik blieb, bevor die Tinte auf seinem letzten Befehl trocken war (Quelle: Wikipedia/USAF
Records).
- Heute ist der Stützpunkt nicht mehr allein; seit 2009 ist er Teil der "Joint Base
McGuire-Dix-Lakehurst", ein Zusammenschluss aus Luftwaffe, Armee und Marine (Quelle: Department of
Defense).
- Das 305th Air Mobility Wing ist dort der Platzhirsch, zuständig für den Transport von allem, was
schwer genug ist, um wehzutun (Quelle: Air Mobility Command).
- Auch das 108th Wing der New Jersey Air National Guard hat sich dort eingenistet, bewaffnet mit
fliegenden Tankstellen (Quelle: NJ National Guard).
- Es ist der einzige Stützpunkt des Landes, der Einheiten aus allen fünf Teilstreitkräften
beherbergt, ein wahrer Schmelztiegel der Disziplin und des Gehorsams.
- Die Basis umfasst über 3.500 Hektar Land, auf denen mehr als 10.000 Menschen ihren Dienst tun,
fernab der neugierigen Blicke der Zivilisten.
*Kim Benet starrt aus dem Fenster auf die regennasse 5th Avenue und lässt den Rauch langsam
ausstoßen*
THE BACKGROUND
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Hinter den glänzenden Fassaden der Patriotismus-Plakate steckt eine kalte, logistische Maschinerie,
die keinen Platz für Sentimentalitäten lässt. In Washington haben die Schreibtischhengste
entschieden, dass Effizienz mehr wert ist als Tradition, weshalb sie McGuire, Dix und Lakehurst im
Jahr 2009 zu einer einzigen, monströsen Einheit verschmolzen haben. Es ist die alte Geschichte:
Wenn man drei Probleme zu einem macht, kann man sie mit einem einzigen Budget erschlagen, zumindest
in der Theorie der Generäle. Die strategische Lage an der Ostküste macht diesen Ort zum Tor für
alles, was Amerika in die Welt hinausschicken will, sei es Hilfe oder Verderben. Das 305th Air
Mobility Wing sorgt dafür, dass die Versorgungslinien nie abreißen, ein endloser Strom aus Eisen
und Öl, der über den Atlantik fließt. Sie nennen es "Global Reach", ich nenne es die Unfähigkeit
der Menschen, ihre Probleme ohne Flugzeugträger und Transportmaschinen zu lösen. Die Verbindung zum
Lakehurst-Gelände bringt zudem den bitteren Beigeschmack der Hindenburg-Katastrophe mit sich, ein
Schatten, der über den Kiefernwäldern von Jersey hängen bleibt wie der Nebel am Hafen. Es geht um
Kontrolle, um die Fähigkeit, innerhalb von Stunden an jedem schmutzigen Ort der Welt aufzutauchen,
ohne erst um Erlaubnis fragen zu müssen. In den Hinterzimmern der Macht wird dieser Stützpunkt als
Juwel der nationalen Sicherheit gehandelt, aber für die Leute in Wrightstown ist es nur ein
Nachbar, der zu viel Lärm macht. Die Bürokratie hat hier ein Labyrinth erschaffen, in dem sich
Verantwortung und Befehlsketten so lange im Kreis drehen, bis niemand mehr weiß, wer eigentlich den
Abzugsfinger am Hebel hat. Am Ende des Tages nuetzt es nur jenen, die daran verdienen, dass die
Triebwerke niemals stillstehen.
*Kim schenkt sich einen Schluck Bourbon ein und betrachtet das Foto an der Wand*
KIM BENET'S ASSESSMENT
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Man benennt eine Basis nach einem Helden wie McGuire, damit die jungen Rekruten etwas haben, an das
sie glauben können, wenn der Wind eisig über die Landebahn peitscht. Aber Major McGuire ist tot,
und die Betonwüsten, die seinen Namen tragen, fühlen keinen Schmerz und kennen keine Reue. Diese
Welt, die wir uns bauen, wird immer größer, immer lauter und immer kälter, und Orte wie McGuire AFB
sind die Kathedralen dieses neuen Zeitalters. Wir zerschneiden die Stille der Pine Barrens mit dem
Gebrüll von Triebwerken, nur um sicherzustellen, dass wir schneller am anderen Ende der Welt sein
können als unser eigener Schatten. Es erinnert mich an den Fall in den Docks von '34, als sie
dachten, sie könnten den Ozean kontrollieren, indem sie mehr Stahl ins Wasser warfen – am Ende hat
das Meer trotzdem gewonnen. Die Menschen glauben, dass sie durch Organisation und "Joint Bases" das
Chaos der Welt bändigen können, aber sie bauen nur größere Käfige für ihren eigenen Wahnsinn. Es
ist eine müde Welt, die solche Monster braucht, um sich sicher zu fühlen, während der kleine Mann
im Blue Moon Cafe unten nur hofft, dass sein Kaffee nicht wieder kalt ist. Ich habe zu viele dieser
strategischen Berichte gelesen, die alle versprechen, dass die nächste große Maschine uns den
Frieden bringen wird, aber am Ende bringen sie nur mehr Staub in meine Lunge. Die Wahrheit ist,
dass wir uns hinter Zäunen und Wachtürmen verstecken, weil wir Angst vor dem haben, was wir im
Spiegel sehen könnten, wenn die Scheinwerfer ausgehen. McGuire ist ein Denkmal für unsere Unruhe,
ein riesiger Bahnhof für eine Reise, die niemals ankommt, bemannt von Seelen, die vergessen haben,
wie man ohne Befehl atmet. Vielleicht ist das der Preis für das, was sie Fortschritt nennen, aber
für mich riecht es nur nach verbranntem Treibstoff und verlorenen Träumen. Wir ehren die Toten,
indem wir ihren Namen auf die Orte schreiben, von denen aus wir neue Tote produzieren, und nennen
das dann Geschichte. Es ist ein zynischer Kreislauf, so sicher wie die Ebbe im Hafen von Manhattan,
und niemand hat den Mut, den Stecker zu ziehen. Ich nehme noch einen Schluck, während der
Ventilator über mir versucht, die schwere Luft zu vertreiben, aber manche Schatten lassen sich
nicht wegwehen. Morgen wird die Sonne über McGuire aufgehen, die Maschinen werden wieder brüllen,
und die Welt wird so tun, als wäre alles in bester Ordnung. Aber ich weiß es besser, ich habe die
Akten gesehen, und sie sind so leer wie die Flasche in meiner Hand.
*der Rauch kraueselt sich zur Decke*
*legt die Akte beiseite*
Kim Benet, end of investigation.