THE CASE
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Ein Schatten huscht über die glänzenden Fassaden der Macht, als der berüchtigte Industrielle
Caldwell, ein Mann, dessen Name in dieser Stadt schwerer wiegt als Gold, in einem seltenen Moment
der Offenheit zugibt, seit Jahren eine eigenwillige Medizinroutine zu pflegen. Trotz eindringlicher
Warnungen seiner Leibärzte schluckt der alte Fuchs eine Dosis Aspirin, die selbst ein Pferd ins
Wanken brächte, getrieben von einem Aberglauben, der so dunkel ist wie die Gassen der Bowery. Die
Folgen sind nicht nur blaue Flecken unter der sorgfältig gewählten Maske seines öffentlichen
Auftretens, sondern auch eine Flut von Gerüchten, die wie Ratten aus den Abwasserkanälen kriechen
und an seinem makellosen Image nagen.
*Regieanweisung*
THE FACTS
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* Der Industrielle Caldwell, dessen Konterfei die Titelseiten ziert, hat bestätigt, eine
beachtliche Menge Aspirin zu konsumieren, weit über das hinaus, was jeder vernünftige Arzt für
zuträglich hielte. (Berichte aus dem "Evening Ledger", 1937)
* Die medizinischen Kapazitäten, die er in seiner Tasche trägt, rieten ihm wiederholt zu einer
geringeren Dosis, doch Caldwell pfeift auf deren Bedenken, getrieben von seiner eigenen, obskuren
Überzeugung. (Interne Kreise, geflüstert in den Salons der Upper East Side)
* Er selbst erklärt diese Praxis damit, sein Blut "verdünnen" zu wollen, um zu verhindern, dass es
"dick" wird – eine Vorstellung, die mehr nach einem alten Volksglauben klingt als nach
wissenschaftlicher Erkenntnis. Er nannte sich selbst "ein wenig abergläubisch" in dieser
Angelegenheit. (Ein abgefangener Kommentar bei einem Gala-Empfang, von einem Barkeeper berichtet)
* Das Ergebnis dieser selbstverordneten Therapie sind auffällig leichte Blutergüsse, die Caldwells
Visagisten nur mit Mühe unter der dicken Schicht Puder verbergen können, oft sichtbar an Händen und
Hals. (Beobachtungen bei öffentlichen Auftritten, bestätigt durch Klatschkolumnen)
* Die "Morning Sentinel" und andere Blätter spekulierten bereits seit Monaten über Caldwells
Zustand, ausgelöst durch Schwellungen an den Knöcheln und eine rätselhafte Schnittwunde an der
Hand, die die Gerüchteküche brodeln ließen. (Archiv der "Morning Sentinel", 1937)
* Im vergangenen Herbst unterzog sich Caldwell auf Drängen seiner Ärzte einer gründlichen
Untersuchung, um Herzleiden auszuschließen. Seine Ärzte erklärten nach Abschluss der Prozedur
gegenüber der "Wall Street Journal", es gäbe keine Auffälligkeiten. (Ärztliches Bulletin,
veröffentlicht durch Caldwells Pressesprecher)
* Caldwell äußerte angeblich sein Bedauern über die ganze Sache, da die Untersuchungen nur unnötige
Fragen und öffentliche Spekulationen angeheizt hätten. (Ein Zitat, das durchgesickert ist, von
einem seiner Fahrer)
*Regieanweisung - Kim Benet denkt nach*
THE BACKGROUND
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Die Wahrheit ist wie Whiskey – sie brennt beim Runterschlucken, besonders wenn sie aus den Kreisen
der Macht kommt. Caldwell, dieser Koloss aus Stahl und Dollar, inszeniert sein Leben wie ein
Bühnenstück, und wehe dem, der hinter die Kulissen blickt. Hier haben wir einen Mann, der sich über
medizinischen Rat hinwegsetzt, nicht, weil er dumm ist, sondern weil er glaubt, er wüsste es
besser, weil die Regeln für die kleinen Leute gemacht sind. Sein Aberglaube, dieses Gerede vom
"dicken Blut", ist nur eine Fassade für die tiefere Wahrheit: Kontrolle. Er will nicht kontrolliert
werden, nicht von seinen Ärzten, nicht von der Öffentlichkeit, nicht vom Schicksal. Die blauen
Flecken, die er zu verbergen sucht, sind die Risse in dieser Fassade, kleine, verräterische
Zeichen, dass selbst die größten Mauern bröckeln können. Und die Medien? Sie fressen ihm aus der
Hand, drucken seine Dementis und seine Erklärungen, während die Stadt flüstert. Es geht nicht um
Aspirin, Evelyn. Es geht darum, wer das Sagen hat über die eigene Geschichte, selbst wenn der
Körper längst begonnen hat, seine eigene zu schreiben.
*Regieanweisung*
KIM BENET'S ASSESSMENT
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Manche Faelle loest man nicht. Manche Faelle loesen einen. Der Fall Caldwell ist keine Ausnahme. Es
ist die immer gleiche Platte, nur die Melodie ändert sich. Ein Mann der Macht, gefangen in seinem
eigenen Mythos, der glaubt, er könne den Naturgesetzen trotzen, so wie er es mit dem Markt tut, so
wie er es mit der Justiz versucht. Ich hab sowas schon mal gesehen, in den Docks, in der Bar, wie
auf dem Jahrmarkt. Die Schwellungen an seinen Knöcheln, die Schnittwunde an der Hand – das sind
nicht nur die Spuren von zu viel Aspirin, das sind die Narben eines Kampfes, den er nicht gewinnen
kann. Der Kampf gegen die Zeit, gegen die Vergänglichkeit. Er vertuscht seine Flecken, wie er seine
schmutzigen Geschäfte vertuscht, aber die Wahrheit ist hartnäckiger als jeder Bankier und schlauer
als jeder Anwalt. Die Welt dreht sich weiter, die Neonlichter spiegeln sich im nassen Asphalt, und
die Menschen jagen weiter ihren Illusionen hinterher. Caldwells "dickes Blut" ist nicht das
Problem. Das Problem ist das dicke Fell, das diese Männer tragen, um die Schreie der Realität nicht
zu hören. Es erinnert mich an den Miller-Fall, '32, der dachte, er könnte das Flusswasser
zurückhalten. Das ist das ewige Lied der menschlichen Hybris, gesungen im Chor der Gier und der
Einsamkeit. Und wir? Wir sitzen hier, hören zu und tippen die Schlagzeilen, bis der Vorhang fällt.
*der Rauch kraeuselt sich zur Decke*
*legt die Akte beiseite*
Kim Benet, end of investigation.
THE CASE
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A shadow flits across the gleaming facades of power, as the infamous industrialist
Caldwell, a man whose name in this city weighs heavier than gold, admits in a rare moment
of candor that he has been following a peculiar medical routine for years. Despite insistent
warnings from his personal physicians, the old fox swallows a dose of aspirin that would stagger
even a horse, driven by a superstition as dark as the alleys of the Bowery. The
consequences are not merely bruises beneath the carefully chosen mask of his public
persona, but also a flood of rumors that creep like rats from the sewers and gnaw at his
flawless image.
*Stage direction*
THE FACTS
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* The industrialist Caldwell, whose face adorns the front pages, has confirmed consuming a
remarkable amount of aspirin, far beyond what any reasonable doctor would consider
beneficial. (Reports from the "Evening Ledger", 1937)
* The medical professionals he keeps in his pocket repeatedly advised him to take a
lower dose, but Caldwell scoffs at their concerns, driven by his own obscure
conviction. (Internal circles, whispered in the salons of the Upper East Side)
* He himself explains this practice as wanting to "thin" his blood to prevent it from becoming
"thick" – a notion that sounds more like an old folk belief than scientific
knowledge. He called himself "a little superstitious" in this matter. (An intercepted
comment at a gala reception, reported by a bartender)
* The result of this self-prescribed therapy is conspicuously light bruising, which Caldwell's
makeup artists can only conceal with difficulty under the thick layer of powder, often visible on
hands and neck. (Observations at public appearances, confirmed by gossip columns)
* The "Morning Sentinel" and other papers have been speculating about Caldwell's
condition for months, triggered by swelling on his ankles and an enigmatic cut on his
hand, which set the rumor mill churning. (Archive of the "Morning Sentinel", 1937)
* Last fall, Caldwell underwent a thorough examination at the urging of his doctors to
rule out heart ailments. His doctors declared to the "Wall Street Journal" after the
procedure that there were no abnormalities. (Medical bulletin, released by Caldwell's
spokesman)
* Caldwell allegedly expressed his regret over the whole affair, as the investigations had only fueled
unnecessary questions and public speculation. (A quote that leaked from one of his drivers)
*Stage direction - Kim Benet reflects*
THE BACKGROUND
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The truth is like whiskey – it burns when you swallow it, especially when it comes from the circles
of power. Caldwell, this colossus of steel and dollars, stages his life like a
play, and woe to him who looks behind the scenes. Here we have a man who disregards
medical advice, not because he is stupid, but because he believes he knows
better, because the rules are made for the little people. His superstition, this talk of
"thick blood", is just a facade for the deeper truth: control. He does not want to be controlled,
not by his doctors, not by the public, not by fate. The bruises he seeks to hide
are the cracks in this facade, small, treacherous signs that even the greatest walls
can crumble. And the media? They eat out of his hand, printing his denials and his explanations,
while the city whispers. It's not about aspirin, Evelyn. It's about who gets to tell their own
story, even when the body has long begun to write its own.
*Stage direction*
KIM BENET'S ASSESSMENT
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Some cases you don't solve. Some cases solve you. The Caldwell case is no exception. It's
the same old record, only the melody changes. A man of power, trapped in his
own myth, who believes he can defy the laws of nature, just as he does with the market, just
as he attempts with justice. I've seen something like this before, in the docks, in the bar, like
at the fairground. The swelling on his ankles, the cut on his hand – these are
not just the traces of too much aspirin, these are the scars of a battle he cannot win. The
battle against time, against transience. He covers up his spots as he covers up his
dirty business, but the truth is more persistent than any banker and smarter than any
lawyer. The world keeps turning, the neon lights reflect in the wet asphalt, and
people keep chasing their illusions. Caldwell's "thick blood" is not the
problem. The problem is the thick skin that these men wear to not hear the cries of reality.
It reminds me of the Miller case, '32, who thought he could hold back the river water.
This is the eternal song of human hubris, sung in the chorus of greed and
loneliness. And we? We sit here, listen, and type the headlines until the curtain falls.
*the smoke curls to the ceiling*
*puts the file aside*
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Kim Benet, end of investigation.