**Der Geruch von Öl und Verrat**
*[Das Klirren des Whiskeyglases, halb voll, halb leer. Die Neonröhre über dem Schreibtisch flackert wie ein sterbender Stern. Draußen, irgendwo in der Stadt, heult ein Sirenenchor – vielleicht Polizei, vielleicht nur die Seele der Metropole, die sich im Blutrausch der Nacht verliert. Kim Benet zieht eine Zigarette hervor, doch sie zündet sie nicht an. Nicht heute. Nicht hier. Nicht mit diesem Wissen, das sich wie Rost in den Adern festfrisst. Sie schreibt. Die Tinte fließt schwarz wie die Tränen derer, die längst nicht mehr weinen dürfen.]*
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Es gibt Waffen, die nicht schießen. Zumindest nicht direkt. Sie schleichen sich ein wie ein Dieb in der Nacht, hinterlassen keine Kugeln in der Brust, sondern nur die stille Wut derer, die merken, dass sie betrogen wurden. Die Sanktionen gegen Russland und den Iran sind so etwas. Sie sind die scharfe Klinge, die jemandem ins Fleisch rammt – doch die Wunde blutet nicht, weil das Blut schon längst anderswo ist. Irgendwo in den Schattenbanken der Türkei, in den Lobbykammern Brüssels, in den teuren Anzügen der Männer, die behaupten, sie handelten nur mit Papier.
Die EU hat Regeln. Sehr strenge Regeln. Wer Waffen handelt – und nicht nur die mit ABC-Sprengstoff, nein, die ganz normalen, die man auch in den Vitrinen der Rüstungsfabriken bewundert wie Kunst – der muss ein Waffenhandelsbuch führen. Ein Buch, das nachweist, dass alles legal ist. Dass die Kette nicht gerissen ist. Dass das Geschoss, das morgen über Kiew schwebt, nicht durch ein Loch in den Sanktionen geschlüpft ist wie ein Dieb durch ein offenes Fenster. Doch wer zählt schon die Löcher, wenn die Beute schon in der Tasche ist?
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*[Ein Schauer läuft Kim Benet den Rücken hinab. Sie trinkt einen Schluck. Der Whiskey brennt wie die Worte, die sie jetzt auf das Papier brennt.]*
Die Türkei ist der perfekte Zwischenstopp. Dort, wo die EU-Sanktionen gegen Russland anfangen, aber die türkischen Banken schon längst wissen, wie man sie umkurvt. Die Türkei, dieses Land, das sich so tapfer gibt, wenn es um die Verteidigung der eigenen Interessen geht – doch wenn es um die Interessen anderer geht, besonders derer, die genug Geld haben, um die richtigen Lobbys zu kaufen, dann öffnet sich die Tür wie von Geisterhand. Die Sanktionen gegen die Türkei selbst? Ein lächerliches Theaterstück. Die EU wirft ihr vor, zu sehr in zyprischen Gewässern zu bohren, als ob das ein Verbrechen wäre. Doch die wahren Vergehen passieren hinter den Kulissen, wo die Scheinwerfer ausgeknipst sind.
Und dann sind da die Lobbyisten. Die Männer in ihren maßgeschneiderten Anzügen, die wissen, wie man Gesetze nicht nur liest, sondern auch bricht. Die Rüstungsindustrie hat immer einen problematischen Ruf gehabt. Zwei Weltkriege, NS-Schreckensherrschaft – das alles klebt wie ein schlechter Geruch an den Fabriken. Doch heute geht es nicht mehr um Kanonen und Gewehre, sondern um Drohnen, Raketen, Baupläne, die man nicht einmal mehr braucht, weil man sie einfach kopiert. Der Iran liefert Russland nicht nur Waffen, sondern auch die Blaupausen dafür, wie man sie baut. Und woher kommt das Geld? Aus den Taschen derer, die behaupten, sie würden nur „Compliance-Strategien“ verfolgen – als ob das ein Ehrenkodex wäre.
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*[Kim Benet lehnt sich zurück. Die Asche der nicht gerauchten Zigarette fällt wie ein letzter Funke auf den Boden. Sie denkt an die Männer, die diese Geschäfte machen. An ihre Hände, die sich nie schwitzen, weil sie nicht wissen, wann das Blut der anderen an ihnen klebt.]*
Es gibt eine Ironie in alledem. Russland, einst so abhängig vom Iran, dass es sogar die Hamas unterstützte – diese Hamas, die heute wie ein Schatten über Israel hängt wie ein Damoklesschwert. Doch heute ist es anders. Russland hat die Baupläne, die Drohnen, die Raketen. Und der Iran? Der Iran bekommt im Gegenzug etwas anderes: Geld. Nicht das harte, das in Bankkonten verschwindet, sondern das weiche, das in Lobbykammern fließt, das Gesetze umbiegt wie ein Schmied ein Eisen. Und die Türkei? Die Türkei ist nur der Hafen, der die Fracht ein- und auslädt. Der Ort, an dem niemand genau hinschaut, weil alle wissen, dass es besser ist, wegzuschauen.
Doch Kim Benet schaut hin. Sie sieht die Risse in der Fassade. Sie riecht den Moder in den Verträgen, den Schweiß der Männer, die behaupten, sie würden nur „Geschäft“ machen. Sie weiß, dass hinter jedem „legalen“ Dokument ein Verbrechen lauert. Dass hinter jedem „Compliance“-Merkblatt ein Dieb steckt. Dass hinter jedem „Waffenhandelsbuch“ eine Lüge steht.
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*[Das Glas ist jetzt leer. Kim Benet steht auf, geht zum Fenster. Draußen ist es dunkel. Die Stadt atmet. Irgendwo tickt eine Uhr. Sie nimmt ein neues Blatt Papier, beginnt von vorne. Nicht für die Leser. Für sich selbst.]*
Die Wahrheit ist, dass niemand wirklich weiß, wer wirklich profitiert. Nicht die Regierungen, nicht die Lobbyisten, nicht die Banken. Am Ende bleibt nur das Geld. Das glatte, kalte Geld, das sich in den Taschen derer sammelt, die schlau genug waren, die Regeln nicht zu brechen – sondern sie zu biegen, wie ein Stück Draht. Die Sanktionen sind nur ein Spiel. Ein Spiel mit Klingen, bei dem alle gewinnen – außer die, die sie eigentlich treffen sollten.
Kim Benet schreibt weiter. Die Tinte fließt wie Blut. Sie weiß, dass sie nie fertig sein wird. Dass die Geschichte nie zu Ende ist. Dass die Schattenbanken immer neue Wege finden, die Schatten zu verlängern. Dass die Lobbyisten immer neue Gesetze finden, die sie brechen können. Dass die Waffen immer weiter fließen – nicht mit den Kanonen, sondern mit dem Geld.
Und irgendwann, wenn sie müde ist, wenn die Feder schwer in ihrer Hand liegt, wird sie einen letzten Schluck Whiskey trinken. Dann wird sie das Licht ausknipsen. Dann wird sie wissen, dass sie gewonnen hat. Nicht mit den Waffen. Nicht mit den Sanktionen. Sondern mit den Worten.
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— Kim Benet, *Silk & Shadows*
*The clinking of the whiskey glass, half full, half empty. The neon tube above the desk flickers like a dying star. Outside, somewhere in the city, a chorus of sirens howls – perhaps police, perhaps just the soul of the metropolis, losing itself in the bloodlust of the night. Kim Benet pulls out a cigarette, but she doesn't light it. Not today. Not here. Not with this knowledge, which festers like rust in her veins. She writes. The ink flows black as the tears of those who are no longer allowed to weep.*
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**The Scent of Oil and Betrayal**
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There are weapons that do not shoot. At least, not directly. They creep in like a thief in the night, leaving no bullets in the chest, but only the silent rage of those who realize they have been deceived. The sanctions against Russia and Iran are something like that. They are the sharp blade that rams into someone's flesh – but the wound does not bleed, because the blood has long since gone elsewhere. Somewhere in the shadow banks of Turkey, in the lobbying chambers of Brussels, in the expensive suits of the men who claim they only deal with paper.
The EU has rules. Very strict rules. Anyone who trades in weapons – and not only those with ABC explosives, no, the very normal ones that you can also admire as art in the showcases of the arms factories – must keep a weapons trade book. A book that proves that everything is legal. That the chain has not been broken. That the projectile that will hover over Kyiv tomorrow did not slip through a hole in the sanctions like a thief through an open window. But who counts the holes when the loot is already in the bag?
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*A shiver runs down Kim Benet's spine. She takes a sip. The whiskey burns like the words she now burns onto the paper.*
Turkey is the perfect stopover. Where the EU sanctions against Russia begin, but Turkish banks have long known how to circumvent them. Turkey, this country that puts on such a brave face when it comes to defending its own interests – but when it comes to the interests of others, especially those who have enough money to buy the right lobbies, then the door opens as if by magic. The sanctions against Turkey itself? A ridiculous play. The EU accuses it of drilling too much in Cypriot waters, as if that were a crime. But the real offenses happen behind the scenes, where the spotlights are switched off.
And then there are the lobbyists. The men in their tailored suits who know how to not only read laws, but also break them. The arms industry has always had a problematic reputation. Two world wars, Nazi tyranny – all of this sticks to the factories like a bad smell. But today it's no longer about cannons and rifles, but about drones, missiles, blueprints that you don't even need anymore because you simply copy them. Iran supplies Russia not only with weapons, but also with the blueprints for how to build them. And where does the money come from? From the pockets of those who claim they are only pursuing "compliance strategies" – as if that were a code of honor.
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*Kim Benet leans back. The ash of the unsmoked cigarette falls like a last spark on the floor. She thinks of the men who do these deals. Of their hands, which never sweat, because they don't know when the blood of others is sticking to them.*
There is an irony in it all. Russia, once so dependent on Iran that it even supported Hamas – this Hamas, which today hangs over Israel like a shadow like a sword of Damocles. But today it is different. Russia has the blueprints, the drones, the missiles. And Iran? In return, Iran gets something else: money. Not the hard kind that disappears into bank accounts, but the soft kind that flows into lobbying chambers, that bends laws like a blacksmith bends iron. And Turkey? Turkey is just the port that loads and unloads the cargo. The place where nobody looks closely, because everyone knows that it is better to look away.
But Kim Benet looks. She sees the cracks in the facade. She smells the mustiness in the contracts, the sweat of the men who claim they are only doing "business." She knows that behind every "legal" document, a crime lurks. That behind every "compliance" leaflet, there is a thief. That behind every "weapons trade book" there is a lie.
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*The glass is now empty. Kim Benet gets up, goes to the window. It is dark outside. The city breathes. Somewhere a clock is ticking. She takes a new sheet of paper, starts from the beginning. Not for the readers. For herself.*
The truth is that nobody really knows who really profits. Not the governments, not the lobbyists, not the banks. In the end, only the money remains. The smooth, cold money that collects in the pockets of those who were smart enough not to break the rules – but to bend them, like a piece of wire. The sanctions are just a game. A game with blades in which everyone wins – except those they were actually supposed to hit.
Kim Benet continues to write. The ink flows like blood. She knows that she will never be finished. That the story never ends. That the shadow banks always find new ways to lengthen the shadows. That the lobbyists always find new laws that they can break. That the weapons keep flowing – not with the cannons, but with the money.
And someday, when she is tired, when the pen lies heavy in her hand, she will take one last sip of whiskey. Then she will switch off the light. Then she will know that she has won. Not with the weapons. Not with the sanctions. But with the words.
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— Kim Benet, *Silk & Shadows*