*Der Ventilator an der Decke knarzt wie ein alter Mann, der sich im Sessel dreht. Draußen hat der
Regen aufgehört, aber die Stadt atmet immer noch den feuchten Geruch von altem Pflaster und
unerfüllten Versprechen. Mein Kaffee ist kalt, die Asche in der Schale stapelt sich wie unerledigte
Akten, und der Bourbon in meiner Schublade wartet geduldig, wie die Wahrheit auf einen Prozess.*
*zündet eine Zigarette an, der Rauch kraeuselt sich zur Decke*
Also will jemand meine Meinung zu diesen modernen Plagen hören, diesen „Krankheiten, die man nicht
haben muss“. Als ob das Leben selbst nicht schon genug ist, eine Krankheit, die man sich jeden
Morgen wieder einfängt, sobald man die Augen aufschlägt. Jetzt reden sie von Krebs und Gürtelrose,
als wären das nur lästige Einbrecher, die man mit dem richtigen Schloss fernhalten könnte.
Verdammt, das Leben ist ein schmutziges Geschäft, und die Rechnung kommt früher oder später, egal
wie viele Vitamintabletten du schluckst oder wie oft du deine Hände wäschst.
*lehnt sich zurück, der Stuhl ächzt eine Warnung*
Ich erinnere mich an diesen gewissenhaften Kerl im zweiten Stock, Herr Schmidt hieß er wohl, der
immer pünktlich seine Milchflasche vor die Tür stellte und sich vor jeder Erkältung fürchtete wie
der Teufel vor dem Weihwasser. Hat alles richtig gemacht, nach Lehrbuch. Jeden Tag sein Müsli,
jeden Abend seine zehn Seiten Dickens. Und doch hat ihn am Ende etwas erwischt, das man nicht auf
einem Einkaufszettel fand, etwas, das er sich angeblich nicht "hätte holen müssen". Was sagt uns
das? Dass das Schicksal ein mieser Kartenspieler ist, der sich nicht um die Regeln schert, die wir
uns so mühsam ausdenken. Sie reden von Prävention, als könnte man den großen Crash verhindern,
indem man die Reifen kontrolliert. Manchmal ist der ganze verdammte Wagen Schrott, lange bevor du
überhaupt losfährst.
Die da oben, die uns die frohe Botschaft verkünden, dass man diese Leiden einfach vermeiden kann,
die haben gut reden. Sie sitzen in ihren beheizten Büros, trinken destilliertes Wasser und lassen
sich von ihren Hausärzten die neuesten Wundermittel aufschwatzen. Währenddessen rackert sich Otto
Normalverbraucher ab, atmet den Dreck der Fabriken ein, frisst, was billig ist, und macht sich
Sorgen, wie er die Miete zahlt. Was soll der sich noch den Kopf zerbrechen über irgendeine
Gürtelrose? Er hat genug Gürtel enger zu schnallen, Herrgott nochmal. Der Stress allein ist schon
die halbe Miete für jede Krankheit, die sich da draußen rumtreibt.
*schüttelt langsam den Kopf*
Es ist wie mit den Politikern. Sie versprechen dir den blauen Himmel und verkaufen dir dann den
Regenmantel. Jetzt versprechen sie dir ein Leben ohne die großen Schrecken, wenn du nur artig bist
und alle ihre Anweisungen befolgst. Als ob das Leben ein Quiz wäre, bei dem man genug Punkte
sammeln kann, um der Endabrechnung zu entgehen. Ich habe zu viele Gesichter gesehen, gezeichnet von
Dingen, die sie angeblich hätten vermeiden können. Und die waren oft die ersten, die sich an jede
Anweisung gehalten haben, wie ein Hund an die Leine. Die wirklich schmutzigen Geheimnisse stehen
nie in der Zeitung, und die wahren Ursachen für das ganze Elend sind selten die, die man uns
serviert. Manchmal muss man das Pech eben einfach als Teil des Deals akzeptieren, wie einen
Regenschauer an einem Sommertag. Was bleibt einem auch sonst übrig, außer dem Bourbon und der
Hoffnung, dass der Ventilator nicht morgen schon den Geist aufgibt.
Benet, over and out.
*The ceiling fan creaks like an old man shifting in his armchair. Outside, the rain has stopped, but the city still breathes the damp scent of old pavement and unfulfilled promises. My coffee is cold, the ashes in the tray pile up like unfinished files, and the bourbon in my drawer waits patiently, like the truth for a trial.*
*lights a cigarette, the smoke curls towards the ceiling*
So, someone wants to hear my opinion on these modern plagues, these "diseases you don't have to get." As if life itself isn't enough, a disease you catch again every morning as soon as you open your eyes. Now they're talking about cancer and shingles as if they were just annoying burglars you could keep out with the right lock.
Damn, life is a dirty business, and the bill comes sooner or later, no matter how many vitamin pills you swallow or how often you wash your hands.
*leans back, the chair creaks a warning*
I remember that conscientious guy on the second floor, Mr. Schmidt, I think his name was, who always put his milk bottle punctually outside the door and feared every cold like the devil fears holy water. Did everything right, by the book. His cereal every day, his ten pages of Dickens every evening. And yet, in the end, something got him that wasn't on a shopping list, something he supposedly "shouldn't have gotten." What does that tell us? That fate is a lousy card player who doesn't care about the rules we so painstakingly devise. They talk about prevention as if you could prevent the big crash by checking the tires. Sometimes the whole damn car is scrap metal long before you even start driving.
Those up there, who proclaim the good news that these sufferings can simply be avoided, have it easy to talk. They sit in their heated offices, drink distilled water, and let their family doctors talk them into the latest miracle cures. Meanwhile, Joe Average toils away, breathes in the dirt of the factories, eats what's cheap, and worries about how to pay the rent. Why should he still rack his brains over some shingles? He has enough belts to tighten, for Christ's sake. The stress alone is already half the rent for every disease that's out there.
*slowly shakes his head*
It's like with the politicians. They promise you the blue sky and then sell you the raincoat. Now they promise you a life without the great horrors if you're just well-behaved and follow all their instructions. As if life were a quiz where you can collect enough points to escape the final reckoning. I've seen too many faces, etched by things they supposedly could have avoided. And they were often the first to adhere to every instruction, like a dog on a leash. The really dirty secrets are never in the newspaper, and the real causes of all the misery are rarely the ones we're served. Sometimes you just have to accept the bad luck as part of the deal, like a rain shower on a summer day. What else is left but the bourbon and the hope that the fan won't give up the ghost tomorrow.
DISEASES
===
- Cancer
- Shingles
- Cold
---
Kim Benet, over and out.