*Der Regen trommelte ein müdes Stakkato gegen die Fensterscheibe, ein Rhythmus, der so alt war wie
die Stadt selbst und so verbraucht wie mein letzter Nerv. Der Kaffee in meiner Tasse war kalt
geworden, ein dunkler See, in dem die Schatten des Büros tanzten, Zeugen einer weiteren Nacht, die
eher verschluckt als gelebt wurde. *zündet eine Zigarette an, der Rauch beißt in die Augen* Der
Ventilator an der Decke knarzte sein ewiges Klagelied, ein alter Mann, der vergeblich versuchte,
die stickige Luft aus dem Jahr '32 zu verscheuchen, während draußen die Neonreklame des Blue Moon
Cafés ein einsames, rotes Pulsieren in den nassen Asphalt malte. Die Dame unten, die Madame Dubois
mit ihren Geschichten so alt wie der Bourbon in meiner Schublade, würde bald die Lichter ausknipsen
und nach Hause winken, zu einem Ehemann, der sie wohl kaum noch sah.
Und dann, durch all das, wie ein plötzlicher, scharfer Schrei in der Stille einer Beerdigung, kam
die Nachricht. Mondawmin Mall. Baltimore. Ein Ort, wo die Leute ihre letzten Dollar ließen, um sich
für einen Moment etwas Glanz zu kaufen, um zu vergessen, dass draußen die Depression wie ein
hungriger Hund an der Tür kratzte. Jetzt war es ein anderer Ort. Ein Ort, der von Blei und Panik
durchsiebt war, von zersplittertem Glas und der kalten, harten Tatsache, dass das Leben, mein Gott,
so verdammt zerbrechlich sein konnte. Mehrere Opfer, sagten sie. Wieder einmal.
Man könnte meinen, man gewöhnt sich dran. An die Headlines, die vor Blut triefen, an die Gesichter
der Unschuldigen, die einen von den Zeitungsseiten anstarren, bevor sie am nächsten Tag von der
neuesten Schandtat überklebt werden. Aber das ist wie der Geruch von billigem Parfüm und altem
Rauch – er setzt sich fest, kriecht unter die Haut, egal wie oft man lüftet oder wie viele Whiskeys
man kippt. *nimmt einen tiefen Schluck Bourbon* Sie werden die üblichen Rituale abspulen, die
Politiker mit ihren salbungsvollen Worten, die Bullen mit ihren knisternden Funkgeräten, die
Priester mit ihren leeren Versprechen. Es ist ein Spiel, das ich schon hundertmal gesehen habe,
eine endlose Wiederholung, bei der nur die Namen der Toten und der Tatorte wechseln.
Es ist wie mit dem Wetter, verdammt. Manchmal ist es Sonnenschein, manchmal regnet es in Strömen.
Und manchmal, da schlägt der Blitz ein, einfach so, und niemand weiß warum. Man sucht nach Gründen,
nach Mustern, nach irgendetwas, das Sinn ergibt, in diesem chaotischen Tanz aus Leben und Tod, aus
Gier und Verzweiflung. Aber am Ende ist es oft nur das. Ein Blitz. Ein Schrei. Und dann die Stille,
die schwerer ist als jeder Regentropfen. Die Stille nach dem Einschlag, die dir sagt, dass es keine
Logik gibt, nur den Zufall, der sich manchmal besonders brutal zeigt.
Die Mall, dieses glänzende, neue Symbol für den amerikanischen Traum, wo die Leute einkauften, als
gäbe es kein Morgen, wurde zu einer Kulisse für den Albtraum, der immer unter der Oberfläche
lauert. Ein Riss in der Fassade, der zeigt, dass der Lack dünn ist, verdammt dünn. Und wenn der
Druck von außen groß genug wird, oder der Wahnsinn von innen, dann bricht alles auf. Wie ein alter
Ziegelstein, der irgendwann einfach nachgibt, unter dem Gewicht all der Jahre, all der Lügen, all
der unerfüllten Träume, die sich auf ihm abgelagert haben.
Sie werden aufräumen, den Schmutz wegspritzen, die Löcher flicken. Und dann, pünktlich zur nächsten
Verkaufssaison, werden die Türen wieder aufgehen. Als wäre nichts geschehen. Als wäre das Blut nur
ein Fleck, der sich auswaschen lässt. Denn die Maschinen müssen laufen, die Kassen klingeln, und
die Leute… die Leute müssen weiter glauben, dass sie sicher sind, dass das nächste Verkaufsangebot
sie retten wird. Eine verdammt zynische Vorstellung, wenn du mich fragst. *lehnt sich zurück, der
Stuhl ächzt eine Warnung*
Benet, over and out.
*The rain drummed a weary staccato against the windowpane, a rhythm as old as the city itself and as worn out as my last nerve. The coffee in my cup had gone cold, a dark lake in which the shadows of the office danced, witnesses to another night that was more swallowed than lived.* *lights a cigarette, the smoke stinging his eyes* *The fan on the ceiling creaked its eternal lament, an old man trying in vain to chase away the stuffy air from '32, while outside the neon sign of the Blue Moon Café painted a lonely, red pulsation on the wet asphalt. The dame downstairs, Madame Dubois with her stories as old as the bourbon in my drawer, would soon switch off the lights and wave home, to a husband who probably barely saw her anymore.
And then, through it all, like a sudden, sharp scream in the silence of a funeral, came the news. Mondawmin Mall. Baltimore. A place where people left their last dollars to buy themselves a little shine for a moment, to forget that outside the Depression was scratching at the door like a hungry dog. Now it was another place. A place riddled with lead and panic, with shattered glass and the cold, hard fact that life, my God, could be so damn fragile. Several victims, they said. Once again.
You'd think you'd get used to it. To the headlines dripping with blood, to the faces of the innocent staring at you from the newspaper pages before they're plastered over the next day by the latest outrage. But that's like the smell of cheap perfume and old smoke – it settles in, creeps under your skin, no matter how often you air it out or how many whiskeys you knock back.* *takes a deep sip of bourbon* *They'll go through the usual rituals, the politicians with their sanctimonious words, the cops with their crackling radios, the priests with their empty promises. It's a game I've seen a hundred times, an endless repetition in which only the names of the dead and the crime scenes change.
It's like the weather, damn it. Sometimes it's sunshine, sometimes it's pouring rain. And sometimes, lightning strikes, just like that, and no one knows why. You look for reasons, for patterns, for anything that makes sense in this chaotic dance of life and death, of greed and despair. But in the end, that's often all it is. A flash. A scream. And then the silence, which is heavier than any raindrop. The silence after the impact, which tells you that there is no logic, only chance, which sometimes shows itself to be particularly brutal.
The Mall, this shiny, new symbol of the American dream, where people shopped as if there were no tomorrow, became a backdrop for the nightmare that always lurks beneath the surface. A crack in the facade that shows that the paint is thin, damn thin. And when the pressure from the outside gets big enough, or the madness from the inside, then everything breaks open. Like an old brick that eventually just gives way, under the weight of all the years, all the lies, all the unfulfilled dreams that have accumulated on it.
They'll clean up, spray away the dirt, patch the holes. And then, just in time for the next sales season, the doors will open again. As if nothing had happened. As if the blood were just a stain that can be washed out. Because the machines have to run, the cash registers have to ring, and the people… the people have to keep believing that they are safe, that the next sales offer will save them. A damn cynical idea, if you ask me.* *leans back, the chair groaning a warning*
Kim Benet, over and out.
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