*Der Regen trommelt ein leises Stakkato gegen die Fensterscheibe. Wieder ein grauer Tag in einer
grauen Stadt. Der Kaffee in meiner Tasse ist kalt, genau wie die Spur im Kowalski-Fall. Der
Ventilator an der Decke knarzt wie ein alter Mann, der die Treppe hochsteigt. Er bewegt nur die
verbrauchte Luft von gestern. Ich lehne mich zurück, der Stuhl ächzt eine Warnung, aber er hält.
Noch. Ich zünde mir eine Lucky Strike an, die letzte in der Schachtel, und der Rauch kräuselt sich
zur Decke, so träge wie meine Gedanken an diesem elenden Vormittag.*
Und dann kommt so eine Meldung über meinen Schreibtisch geflattert, über dieses Thailand, oder wie
auch immer die das nennen. Irgendwelche Polizisten, so heißt es, hätten sich als Löwe verkleidet,
um einen Einbrecher zu fangen. *schnaubt* Ein Löwe, Herrgott nochmal. Ich meine, man hat ja schon
alles gesehen in diesem Geschäft. Bullen, die sich als Blumenverkäufer ausgeben, Detektive, die im
Nonnenkostüm auf Verbrecherjagd gehen – ein alter Hut, wirklich. Aber ein Löwe? Das ist neu. Das
ist... nun ja, es ist eine neue Note im alten Lied von der Dummheit der Menschen.
Manche Dinge ändern sich nie, nur die Verpackung wird bunter. Ob die Uniform nun blau ist oder
gestreift und mit einer Mähne versehen, am Ende stecken immer dieselben Jungs drin, die versuchen,
das Chaos in den Griff zu bekommen. Ein Chaos, das sie oft genug selbst mitverursacht haben, wenn
man ehrlich ist. Nehmen wir nur die ganze Nummer mit den Banken, den großen Jungs, die erst das
ganze Geld einsammeln und dann schreien, wenn ihre Luftschlösser krachend zusammenfallen. Und wer
muss am Ende den Schutt wegräumen? Die kleinen Leute, die ihren Groschen hart verdient haben, und
dann vielleicht, ganz vielleicht, die Polizei, die sich dann als Löwe verkleidet, um einen
Kleinkriminellen zu fangen, der sich vielleicht nur eine Scheibe Brot holen wollte. Die wirklich
schmutzigen Geheimnisse stehen nie in der Zeitung, oder wenn, dann so versteckt, dass man drei
Whiskeys intus haben muss, um sie zu finden.
Ich frage mich, was wohl der Einbrecher gedacht hat, als er da stand, vielleicht mit einem leeren
Magen und nervösen Händen, und plötzlich starrte ihn nicht ein Polizist in Uniform an, sondern eine
Art Zirkusattraktion mit Handschellen. Hat er gelacht? Hat er geweint? Hat er einfach nur
resigniert und gedacht: "Na klar, warum nicht auch das noch?" Das Leben ist ein verdammt schlechter
Witz, und die Pointe versteht man erst, wenn man schon auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung ist. Es
ist wie mit diesen Politikern, die mit großen Worten kommen, von Freiheit und Sicherheit faseln,
und am Ende sind die Taschen der einen voll und die der anderen leer. Sie versprechen dir den
Himmel auf Erden und liefern dir dann einen regnerischen Dienstag im November.
*Der Rauch der Zigarette beißt in den Augen, aber das ist man gewohnt.* Ein Löwe, um einen
Einbrecher zu fangen. Vielleicht ist das ja die Zukunft. Keine Gerichtsverfahren mehr, keine langen
Verhöre. Nur noch Tierkostüme und ein bisschen Theater, um die Leute bei der Stange zu halten. Die
da oben feiern mit Champagner, die da unten zählen die letzten Münzen, und irgendwo dazwischen
verkleiden sich ein paar Männer als Wildkatzen, um eine Welt zu ordnen, die längst aus den Fugen
geraten ist. Manchmal wünschte ich, ich könnte mich auch als etwas anderes verkleiden. Ein
unsichtbarer Mann vielleicht, der einfach nur seine Ruhe hat. Aber man ist, was man ist, und dieser
Job hier ist wie ein alter Mantel: unbequem, aber man braucht ihn, wenn der Wind pfeift.
*tippt die letzte Zeile, lehnt sich zurück, der Blick wandert zum kalten Kaffee.* Manchmal frage
ich mich, wer hier eigentlich der Löwe ist und wer die Maus. Und ob am Ende überhaupt jemand
gewinnt.
Benet, over and out.
*The rain drums a soft staccato against the windowpane. Another gray day in a gray city. The coffee in my cup is cold, just like the trail in the Kowalski case. The fan on the ceiling creaks like an old man climbing the stairs. It only moves the stale air of yesterday. I lean back, the chair groans a warning, but it holds. Still. I light a Lucky Strike, the last in the pack, and the smoke curls towards the ceiling, as sluggish as my thoughts on this miserable morning.*
And then a report flutters across my desk, about this Thailand, or whatever they call it. Some cops, they say, dressed up as a lion to catch a burglar. *scoffs* A lion, for God's sake. I mean, you've seen it all in this business. Cops posing as flower vendors, detectives hunting criminals in nun costumes – old hat, really. But a lion? That's new. That is... well, it's a new note in the old song of human stupidity.
Some things never change, only the packaging gets more colorful. Whether the uniform is blue or striped and with a mane, in the end, it's always the same guys trying to get a grip on the chaos. A chaos that they themselves have often caused, if you're honest. Take the whole thing with the banks, the big boys, who first collect all the money and then scream when their castles in the air collapse with a crash. And who has to clear away the rubble in the end? The little people who have earned their pennies hard, and then maybe, just maybe, the police, who then dress up as a lion to catch a petty criminal who might just have wanted to get a slice of bread. The really dirty secrets are never in the newspaper, or if they are, they're so hidden that you have to have three whiskeys in you to find them.
I wonder what the burglar thought when he stood there, maybe with an empty stomach and nervous hands, and suddenly he wasn't being stared at by a cop in uniform, but by some kind of circus attraction with handcuffs. Did he laugh? Did he cry? Did he just resign himself and think: "Sure, why not this too?" Life is a damn bad joke, and you only understand the punchline when you're already on your way to court. It's like those politicians who come with big words, babbling about freedom and security, and in the end, one's pockets are full and the other's are empty. They promise you heaven on earth and then deliver you a rainy Tuesday in November.
*The cigarette smoke stings in my eyes, but you get used to that.* A lion to catch a burglar. Maybe that's the future. No more trials, no more long interrogations. Just animal costumes and a little theater to keep the people in line. Those up there celebrate with champagne, those down there count the last coins, and somewhere in between, a few men dress up as wild cats to bring order to a world that has long since come off the rails. Sometimes I wish I could dress up as something else too. An invisible man perhaps, who just has his peace. But you are what you are, and this job here is like an old coat: uncomfortable, but you need it when the wind whistles.
*types the last line, leans back, his gaze wanders to the cold coffee.* Sometimes I wonder who the lion is here and who the mouse. And whether anyone wins in the end.
Kim Benet, 22. Februar 2026
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