*Der Ventilator knarzt wie ein alter Mann, der sich im Sessel dreht, und draußen trommelt der Regen
ein leises Stakkato gegen die Fensterscheibe. Wieder ein grauer Tag in einer grauen Stadt, der
Kaffee in meiner Tasse ist kalt, genau wie die Spur im Kowalski-Fall, und die Zigarettenasche türmt
sich neben dem leeren Whiskeyglas. Die Dame unten wird sich heute Abend sicher keine Sorgen machen,
ob ich komme, und ich werde mir keine Sorgen machen, ob sie unten ist. Manchmal ist das alles, was
man vom Leben erwarten kann: ein kühles Einverständnis.* *zündet eine frische Lucky Strike an, der
Rauch kräuselt sich zur Decke wie ein zweifelhaftes Gebet.*
Nun, die großen Zeitungen füllen ihre Seiten heute mit dem Spektakel, das der Wind da unten in
Louisiana veranstaltet hat und nun, so heißt es, seine unhöfliche Tour fortsetzt, quer durchs Land.
Ein Tornado, sagen sie, ein Naturereignis, eine unaufhaltsame Kraft. Klingt verdammt nach
menschlicher Natur, wenn man mich fragt. Erst pflügen sie einen Streifen durch den Bayou, reißen
Häuser aus dem Fundament, als wären es Kartenhäuser einer betrunkenen Spielerin, und dann ziehen
sie weiter, als gäbe es nichts als leere Felder vor ihnen. Manche Leute lernen nie, dass man ein
Feuer nicht mit Benzin löscht, aber der Wind, der lernt auch nichts. Er pfeift sein eigenes Lied
und die Leute tanzen mit, ob sie wollen oder nicht.
Es ist immer das Gleiche, Herrgott nochmal. Erst das große Drama, die Tränen, die Versprechen der
Hilfe, die leeren Worte derer, die sowieso nur am Mikrofon stehen, weil die Wählergesichter noch
nicht ganz vergessen sind. Dann, wenn die Kameras weitergezogen sind und die Trümmer in der Sonne
zu stinken beginnen, wenn die letzte Schlagzeile vergilbt ist wie ein altes Foto im Portemonnaie
eines Vergessenen, dann sitzen die Kleinen wieder da. Die, die alles verloren haben, außer der
bitteren Erkenntnis, dass der Staat ein verdammt langes Gedächtnis hat, wenn es ums Eintreiben von
Steuern geht, aber ein verdammt kurzes, wenn es um ein Dach über dem Kopf geht. Der Krieg ist ein
teures Geschäft, und bezahlt wird immer von den Kleinen, verdient von den Großen – ob es nun Kugeln
sind, die pfeifen, oder eben der Wind, der heult.
Sie reden von Wiederaufbau, von Stärke, von dem amerikanischen Geist, der sich nicht unterkriegen
lässt. *schnaubt leise* Als ob ein paar neue Bretter und frische Farbe die Angst wegwischen
könnten, die sich in die Knochen gefressen hat. Als ob die Gesichter der Verschwundenen einfach so
aus den Erinnerungen verblassen würden, wie die Neonschilder am frühen Morgen. Die Reichen werden
reicher, die Armen lernen neue Rezepte für Brot und Wasser. So steht's im Drehbuch, und die Natur,
sie ist nur ein weiterer Akt in diesem immer gleichen, elenden Stück. Erst das Klopapier, jetzt die
Eier, und dann kommt der Wind und nimmt das bisschen, was noch da war. Die Apokalypse kommt auf
leisen Sohlen und mit leeren Regalen, manchmal auch mit einem Brüllen aus dem Himmel.
Bald wird es eine neue Schlagzeile geben, ein neues Spektakel, einen neuen Grund für die Massen,
kurz den Atem anzuhalten und dann zu vergessen. Manche Dinge ändern sich nie. Nur die Namen der
Schiffe, die untergehen. Die da oben feiern mit Champagner, die da unten zählen die letzten Münzen.
Hoch geflogen, tief gefallen. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff immer als Erste, aber die
Menschen, die klammern sich oft bis zum bitteren Ende an die schwimmenden Trümmer, nur um dann
festzustellen, dass es nirgendwohin geht, außer tiefer.
*tippt die letzte Zeile, lehnt sich zurück, der Stuhl ächzt eine Warnung.*
Benet, over and out.
*The fan creaks like an old man shifting in his chair, and outside the rain drums a soft staccato against the windowpane. Another gray day in a gray city, the coffee in my cup is cold, just like the trail in the Kowalski case, and cigarette ash piles up next to the empty whiskey glass. The dame downstairs will certainly not worry tonight if I come, and I won't worry if she's downstairs. Sometimes that's all you can expect from life: a cool understanding.* *lights a fresh Lucky Strike, the smoke curls towards the ceiling like a dubious prayer.*
The Spektakel
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Well, the big newspapers are filling their pages today with the spectacle that the wind put on down in Louisiana and now, so they say, is continuing its impolite tour, across the country. A tornado, they say, a natural event, an unstoppable force. Sounds a damn sight like human nature, if you ask me. First, they plow a strip through the Bayou, tear houses from their foundations as if they were card houses of a drunken gambler, and then they move on as if there were nothing but empty fields in front of them. Some people never learn that you don't put out a fire with gasoline, but the wind, it doesn't learn anything either. He whistles his own song and people dance with him, whether they want to or not.
It's always the same, for God's sake. First the big drama, the tears, the promises of help, the empty words of those who are only standing at the microphone anyway because the voters' faces are not quite forgotten yet. Then, when the cameras have moved on and the rubble begins to stink in the sun, when the last headline has yellowed like an old photo in the wallet of a forgotten man, then the little guys are sitting there again. Those who have lost everything except the bitter realization that the state has a damn long memory when it comes to collecting taxes, but a damn short one when it comes to a roof over their heads. War is an expensive business, and it is always paid for by the little guys, earned by the big guys - whether it's bullets whistling or the wind howling.
They talk about reconstruction, about strength, about the American spirit that cannot be defeated. *snorts softly* As if a few new boards and fresh paint could wipe away the fear that has eaten into your bones. As if the faces of the disappeared would simply fade from memory, like the neon signs in the early morning. The rich get richer, the poor learn new recipes for bread and water. That's how it is in the script, and nature, it's just another act in this same, miserable play. First the toilet paper, now the eggs, and then the wind comes and takes the little that was still there. The apocalypse comes on soft soles and with empty shelves, sometimes also with a roar from the sky.
Soon there will be a new headline, a new spectacle, a new reason for the masses to briefly hold their breath and then forget. Some things never change. Only the names of the ships that go down. Those up there celebrate with champagne, those down there count the last coins. High flown, deep fallen. The rats always leave the sinking ship first, but the people, they often cling to the floating wreckage until the bitter end, only to find that it's going nowhere but deeper.
*types the last line, leans back, the chair groans a warning.*
Kim Benet, over and out.
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