*Der Regen trommelt ein leises Stakkato gegen die Fensterscheibe. Wieder ein grauer Tag in einer
grauen Stadt. Der Kaffee in meiner Tasse ist kalt, genau wie die Spur im Kowalski-Fall, und der
Ventilator an der Decke knarzt wie ein alter Mann, der die Treppe hochsteigt, aber nie oben
ankommt.* *Ich zünde mir eine Lucky Strike an, die letzte in der Schachtel, und der Rauch kraeuselt
sich zur Decke, als wollte er den Deckenventliator umgarnen.* So, die Herren von der Redaktion
wollen also meine Gedanken zum großen Mann im weißen Haus, der wieder einmal einen seiner berühmten
Haken schlägt, diesmal gegen die Vorgaben zum Klimaschutz. Nun, Meinungen sind wie Schnapsgläser in
dieser Stadt – jeder hat eins, und die meisten sind leer, aber hin und wieder findet man doch einen
Bodensatz, der die Zunge brennt.
*Ich lehne mich zurück, der Stuhl ächzt eine Warnung, die ich ignoriere.* Klimaschutz, sagen sie.
Als ob Mutter Natur auf einen Zettel vom Präsidenten gewartet hätte, um sich zu entscheiden, ob sie
uns mit einem lauen Sommerwind oder einem Hurrikan um die Ohren schlägt. Es ist die gleiche alte
Melodie, nur mit anderen Instrumenten. Die großen Jungs spielen im Sandkasten mit ihren neuen
Spielsachen, und die kleinen Leute schauen zu, wie der Sand in ihre Augen geweht wird. Dieser
Trump, ein Name, der klingt, als wäre er direkt einem Groschenroman entsprungen, kippt da mal eben
ein paar Regeln vom Tisch, die angeblich die Luft sauberer und das Wasser klarer halten sollten.
Als ob ein Politiker je wirklich an saubere Luft gedacht hätte, wenn er ein neues Kohlewerk
genehmigen kann, das seinen Freunden die Taschen füllt.
Manche Dinge ändern sich nie. Nur die Namen der Schiffe, und die Kapitäne, die sie auf den Riff
steuern. Gestern war es der Präsident, der versprach, jedem Huhn zwei Körner zu geben, und heute
ist es der, der verspricht, uns vor uns selbst zu retten, indem er uns erlaubt, noch mehr Dreck in
den Himmel zu pusten. Was soll's, sage ich. Der Himmel ist schon lange voller Rauch, nicht nur von
unseren Zigaretten, sondern von all den leeren Versprechen, die hochgeschickt wurden, nur um nie
wieder herunterzukommen. Meine Vermieterin, Mrs. O’Malley, hat mir letzte Woche erzählt, dass die
Gasrechnung wieder gestiegen ist. Sie interessiert sich nicht für Klimaschutz-Vorgaben, sie will
wissen, wie sie ihre Wohnung warmkriegt, ohne ihren letzten Nickel zu opfern. Das sind die Dinge,
die zählen. Die kleinen Dramen, die sich in jedem Hinterhof abspielen, während oben im
Elfenbeinturm über die Zukunft der Menschheit fabuliert wird.
*Ich starre aus dem Fenster, der Regen hat nachgelassen und hinterlässt glänzende Spuren auf dem
Asphalt. Die Neonlichter vom Blue Moon Cafe spiegeln sich im nassen Pflaster, wie verlorene Seelen
in einem See aus Träumen.* Sie reden von "Fortschritt", von "Wirtschaft ankurbeln", während die
Uhren ticken und das Wetter macht, was es will. Die Wissenschaftler warnen, die Aktivisten
schreien, und der Mann im Oval Office zuckt mit den Schultern. Die Ratten verlassen das sinkende
Schiff immer als Erste, heißt es. Aber hier ist es eher so, als würden sie fröhlich neue Löcher in
den Rumpf bohren, weil sie glauben, dass das Schiff dann schneller fährt. Und wir? Wir sitzen im
Bauch des Ungetüms und hoffen, dass uns der nächste Schluck Bourbon warm genug hält.
Es ist eine teure Show, die da abgezogen wird, verdammt teuer. Bezahlt wird immer von den Kleinen,
verdient von den Großen. Ob es nun um das Klima geht oder um den nächsten Krieg, der irgendwo am
Horizont dräut, die Rechnung landet am Ende immer auf dem Tisch derer, die sowieso schon kaum
wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. Manchmal, wenn der Bourbon im Glas ist und die
Gedanken kreisen, frage ich mich, ob es überhaupt jemanden gibt, der die Wahrheit noch hören will,
oder ob alle lieber ihren eigenen Geschichten lauschen. Der Mann im weißen Haus, er erzählt seine
Geschichte, und viele glauben sie. Vielleicht ist das alles, was am Ende zählt: eine gute
Geschichte, die gut klingt, egal, ob sie stimmt oder nicht.
*Ich tippe die letzte Zeile, lehne mich zurück und drücke die Zigarette im überquellenden
Aschenbecher aus.* Die Wahrheit ist ein teurer Luxus, den sich nur wenige leisten können.
Benet, over and out.
*The rain drums a soft staccato against the windowpane. Another gray day in a gray city. The coffee in my cup is cold, just like the trail in the Kowalski case, and the fan on the ceiling creaks like an old man climbing the stairs, but never reaching the top.* *I light a Lucky Strike, the last in the pack, and the smoke curls towards the ceiling as if trying to embrace the ceiling fan.* So, the gentlemen from the editorial office want my thoughts on the great man in the White House, who is once again pulling one of his famous hooks, this time against the climate protection regulations. Well, opinions are like shot glasses in this town – everyone has one, and most are empty, but now and then you find a bit of sediment that burns the tongue.
*I lean back, the chair groaning a warning that I ignore.* Climate protection, they say. As if Mother Nature had been waiting for a note from the President to decide whether to slap us in the face with a mild summer breeze or a hurricane. It's the same old melody, just with different instruments. The big boys are playing in the sandbox with their new toys, and the little people watch as the sand is blown into their eyes. This Trump, a name that sounds like it came straight out of a dime novel, is casually overturning a few rules that were supposed to keep the air cleaner and the water clearer. As if a politician ever really thought about clean air when he can approve a new coal plant that fills his friends' pockets.
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THE MORE THINGS CHANGE
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Some things never change. Only the names of the ships, and the captains who steer them onto the reef. Yesterday it was the president who promised to give every chicken two grains, and today it's the one who promises to save us from ourselves by allowing us to blow even more dirt into the sky. What the hell, I say. The sky has long been full of smoke, not just from our cigarettes, but from all the empty promises that were sent up, only never to come down again. My landlady, Mrs. O'Malley, told me last week that the gas bill has gone up again. She doesn't care about climate protection targets, she wants to know how to keep her apartment warm without sacrificing her last nickel. These are the things that matter. The little dramas that play out in every backyard, while up in the ivory tower they're pontificating about the future of mankind.
*I stare out the window, the rain has subsided and leaves shiny traces on the asphalt. The neon lights from the Blue Moon Cafe are reflected in the wet pavement, like lost souls in a lake of dreams.* They talk about "progress", about "stimulating the economy", while the clocks tick and the weather does what it wants. The scientists warn, the activists scream, and the man in the Oval Office shrugs his shoulders. The rats are always the first to leave the sinking ship, they say. But here it's more like they're happily drilling new holes in the hull, because they think it'll make the ship go faster. And us? We sit in the belly of the beast and hope that the next sip of bourbon will keep us warm enough.
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THE DEVIL'S DUE
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It's an expensive show that's being put on, damn expensive. Always paid by the little people, earned by the big ones. Whether it's about the climate or the next war that's looming somewhere on the horizon, the bill always ends up on the table of those who already hardly know how to make ends meet. Sometimes, when the bourbon is in the glass and the thoughts are swirling, I wonder if there's anyone out there who still wants to hear the truth, or if everyone would rather listen to their own stories. The man in the White House, he tells his story, and many believe it. Maybe that's all that matters in the end: a good story that sounds good, whether it's true or not.
*I type the last line, lean back and press the cigarette into the overflowing ashtray.* The truth is an expensive luxury that only a few can afford.
Kim Benet, over and out.
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