*Der Regen trommelt ein leises Stakkato gegen die Fensterscheibe. Wieder ein grauer Tag in einer
grauen Stadt. Der Kaffee in meiner Tasse ist kalt, genau wie die Spur im Kowalski-Fall. Ich starre
auf die Tasten meiner Remington und frage mich, ob die Buchstaben jemals müde werden, immer
dieselben alten Lügen zu formen. Der Ventilator an der Decke knarzt wie ein alter Mann, der sich
mühsam im Sessel dreht, und bewegt dabei nur die verbrauchte Luft von gestern, die nach billigem
Tabak und verpassten Gelegenheiten riecht.*
*zuendet sich eine Lucky Strike an, der Rauch kraueselt sich zur Decke*
Nun will also wieder jemand meine Meinung hören, diesmal zu diesen neuen Denkmaschinen, die sie
Anthropic nennen. Es ist immer dasselbe Spiel, nur die Namen der Spieler ändern sich. Diesmal ist
es der Mann im Weißen Haus – Sie wissen schon, der mit der Vorliebe für große Gesten und goldene
Vorhänge –, der beschlossen hat, dass man diesen digitalen Geistern den Stecker ziehen muss, wenn
sie nicht nach seiner Pfeife tanzen. Es scheint, die Jungs vom Pentagon wollten, dass diese klugen
Köpfe aus dem Silicon Valley ihre Maschinen darauf trimmen, den Tod ein bisschen effizienter zu
verwalten. Ein bisschen mehr Zielerfassung hier, ein bisschen mehr strategische Kaltblütigkeit da.
Aber die Leute von Anthropic haben wohl „Nein“ gesagt. Ein „Nein“ in dieser Stadt ist so selten wie
ein ehrlicher Pokerspieler in einer Hafenspelunke.
*lehnt sich zurück, der Stuhl ächzt eine Warnung*
Wissen Sie, meine Vermieterin, Mrs. Gable, hat auch solche Prinzipien. Sie weigert sich strikt, die
Heizung vor November anzustellen, egal wie sehr der Wind durch die Ritzen pfeift. Sie sagt, es gehe
um den Charakter. Ich sage, es geht darum, dass meine Zehen blau anlaufen. Aber am Ende sitzt sie
am längeren Hebel, genau wie der Präsident. Er droht jetzt mit einem Bann. Einem föderalen Bann.
Das klingt so endgültig, wie der Richterspruch nach einem Banküberfall, der schiefgegangen ist.
Wenn du dein Spielzeug nicht den Soldaten leihst, darfst du gar nicht mehr mitspielen. So einfach
ist das im Sandkasten der Mächtigen. Sie nennen es nationale Sicherheit, aber meistens ist es nur
das gekränkte Ego eines Mannes, der es nicht gewohnt ist, dass eine Maschine – oder die Menschen
dahinter – ihm widersprechen.
Es ist eine seltsame Welt geworden. Früher haben wir uns Sorgen gemacht, dass die Panzer zu schnell
rollen, heute haben wir Angst, dass der Algorithmus zu moralisch wird. Oder eben nicht moralisch
genug, je nachdem, auf welcher Seite des Schreibtischs man sitzt. Anthropic wollte wohl die weiße
Weste behalten, während das Pentagon sie gern in Tarnfarben gesehen hätte. Und jetzt? Jetzt kommt
der große Hammer. Ein Verbot. Das ist wie ein Alkoholverbot in einer Stadt voller Trinker – es
schafft nur neue Wege, den Stoff unter dem Ladentisch zu verkaufen. Man kann den Fortschritt nicht
einfach in eine Zelle sperren und den Schlüssel wegwerfen, Herrgott nochmal.
*nimmt einen Schluck vom kalten Kaffee, verzieht das Gesicht*
Am Ende sitzen wir alle in diesem verrauchten Büro namens Welt und schauen zu, wie sich die
Giganten streiten. Die einen wollen die ultimative Waffe, die anderen die ultimative Tugend, und
dazwischen geht der gesunde Menschenverstand verloren wie eine verlorene Münze im Rinnstein. Ob
Trump seinen Bann durchbekommt oder ob es nur ein weiteres lautes Donnern ohne Regen bleibt, ist
eigentlich egal. Der Geist ist aus der Flasche, und er hat keine Lust, wieder reinzugehen, nur weil
das Pentagon keine neuen Hausaufgabenhilfe bekommt. Morgen wird ein anderer Name in den
Schlagzeilen stehen, und wir werden immer noch hier sitzen, im Regen, mit kaltem Kaffee und der
vagen Ahnung, dass wir nur die Statisten in einem Film sind, dessen Drehbuch wir nicht lesen dürfen.
*tippt die letzte Zeile, zieht das Papier aus der Walze*
Benet, over and out.