*Der Regen trommelt heute ein müdes Stakkato auf das Blechdach gegenüber, ein Rhythmus so
vorhersehbar wie die Lügen eines Politikers kurz vor der Wahl. Ich starre auf das leere Blatt in
meiner Remington und frage mich, ob die Welt eigentlich jemals schläft oder ob sie nur kurz die
Augen schließt, um sich neue Arten auszudenken, wie man sich gegenseitig das Licht ausbläst.*
*nimmt einen tiefen Schluck vom kalten Kaffee und verzieht das Gesicht*
Da draußen in Ecuador haben sie also die Hunde losgelassen. Southcom, die Jungs mit den glänzenden
Orden und den noch glänzenderen Absichten, haben sich mit den lokalen Kräften zusammengetan, um
gegen "Designated Terrorist Organizations" vorzugehen. Ein herrlicher Begriff, nicht wahr?
"Designiert". Als hätte man ihnen eine Einladungskarte zum Tanzen geschickt, nur dass die Musik aus
Maschinengewehren besteht und der Tanzboden der feuchte Boden eines Dschungels ist, der schon mehr
Blut geschluckt hat, als dieser billige Bourbon in meiner Schublade jemals vergessen machen könnte.
*zündet sich eine Lucky Strike an, der Rauch kräuselt sich träge um den knarzenden Ventilator*
Es ist immer die gleiche alte Leier, die man auf einem verstimmten Klavier spielt. Man nennt es
Kooperation, man nennt es Sicherheit, aber am Ende des Tages bedeutet es nur, dass die Großen den
Kleinen zeigen, wie man das Unkraut im Garten jätet, während man gleichzeitig die eigenen Zäune ein
Stück weiter nach Süden verschiebt. Meine Vermieterin, Mrs. Gable, hat gestern auch so eine
"Operation" gestartet – sie wollte die Kakerlaken in der Gemeinschaftsküche mit einem neuen Gift
ausräuchern, das angeblich Wunder wirkt. Jetzt riecht der ganze Flur nach Terpentin, die Kakerlaken
feiern vermutlich eine Party im Wandzwischenraum, und ich muss zusehen, wie ich meine Miete
zusammenkratze, während die Weltpolitik sich in den Bergen von Ecuador austobt.
*lehnt sich zurück, der Stuhl ächzt wie eine alte Seele unter der Last*
Man sagt uns, es ginge um den Frieden, um die Ordnung in einem Chaos, das wir selbst kaum
buchstabieren können. Aber Ordnung ist in dieser Welt so flüchtig wie der Glanz auf einem frisch
polierten Schuh, bevor man in die erste Pfütze tritt. Diese "Terrororganisationen" – heute sind sie
der Feind, morgen sind sie die Schatten, die man braucht, um das nächste Budget zu rechtfertigen.
Es ist ein Kreislauf, so endlos wie die Treppenstufen in diesem verrotteten Bürogebäude, auf denen
man immer nur nach unten zu rutschen scheint, egal wie sehr man sich anstrengt, nach oben zu
klettern.
*starrt aus dem Fenster auf die verschwommenen Neonlichter des Blue Moon Cafe*
Vielleicht ist das der Fehler an uns allen: Wir glauben, wenn wir nur genug Soldaten schicken,
genug Abkommen unterzeichnen und genug "Ziele" eliminieren, würde die Welt plötzlich aufhören, ein
schmutziger Ort zu sein. Aber der Dreck sitzt tiefer, er sitzt in den Ritzen der Geschichte, genau
wie der Staub in den Tasten meiner Schreibmaschine, den ich nie ganz wegbekomme. Am Ende des Tages
ziehen sich die Amerikaner wieder in ihre klimatisierten Büros zurück, die Ecuadorianer zählen ihre
Toten und ihre Hoffnungen, und der Dschungel wächst einfach über alles drüber, als wäre nie etwas
passiert.
*tippt mit dem Zeigefinger gegen das Glas, das noch einen Fingerbreit Whiskey enthält*
Manche nennen es Fortschritt. Ich nenne es Dienstag. Ein weiterer Tag, an dem wir so tun, als
hätten wir die Kontrolle, während wir eigentlich nur Passagiere in einem Wagen sind, dessen Bremsen
schon vor Jahren versagt haben und dessen Fahrer sich gerade eine neue Zigarre anzündet.
*drückt die Zigarette im überquellenden Aschenbecher aus*
Benet, over and out.