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Investigativ
Der Alchemist ohne Gesicht — Das Fulcanelli-Mysterium
27. Februar 2026
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*Paris, 1926. Ein Mann ohne Gesicht veröffentlicht ein Buch. Dann löst er sich in Luft auf.*
Sie kannten seinen Namen. Fulcanelli. Aber keiner kannte sein Gesicht. Keine Fotografie, kein Porträt, keine Skizze. Nur zwei Bücher, ein Pseudonym, und ein Verschwinden, das bis heute niemand erklären kann.
*Regieanweisung: Kim blättert in vergilbten Seiten*
"Le Mystère des Cathédrales" — Das Geheimnis der Kathedralen. Eine These, verrückt genug, um wahr zu sein: Die gotischen Dome Europas sind keine Kirchen. Sie sind Lehrbücher. Jeder Wasserspeier ein Symbol. Jede Proportion eine Formel. Notre-Dame, Chartres, Amiens — in Stein gemeißelte Anleitungen für die Große Arbeit.
Die Transmutation. Blei zu Gold. Sterblich zu unsterblich.
*Regieanweisung: Rauch steigt auf*
Wer war er? Die Theorien füllen Regale. Eugène Canseliet, sein Schüler, schwieg fünfzig Jahre — und sprach dann zu viel. Jean Laplace, Ingenieur und Fotograf, veröffentlichte im selben Jahr ein verdächtig ähnliches Werk. Manche flüstern von Bourbonen-Erben. Andere von Freimaurern. Die Waghalsigsten behaupten, er sei der Graf von Saint-Germain gewesen — der "unsterbliche" Alchemist des 18. Jahrhunderts, der einfach nicht sterben wollte.
Canseliet behauptete, ihn 1952 wiedergesehen zu haben. In Spanien. Jünger als dreißig Jahre zuvor.
*Regieanweisung: Kim zündet ein Streichholz an, lässt es fallen*
Der Witz ist: Niemand kann es widerlegen.
Fulcanelli hinterließ keine Briefe. Keine Familie. Keine Sterbeurkunde. Nur einen einzigen Brief vom 1. Juni 1926, in dem er von der "letzten Etappe" spricht. War es eine Reise? Ein Experiment? Oder das, was die Alchemisten seit Jahrhunderten suchten — die endgültige Transformation?
*Regieanweisung: leise, fast ehrfürchtig*
Seine Lehren waren kein Hokuspokus. Die Spagyrik, die er predigte — die Trennung von Salz, Schwefel und Quecksilber — war echte Chemie, nur in symbolischer Sprache verpackt. Historiker haben nachgewiesen, dass mittelalterliche Baumeister tatsächlich mathematische Prinzipien in ihre Kathedralen webten. Fulcanelli las nur, was andere übersahen.
Aber dann ist da die Sache mit der Atomenergie.
In "Les Demeures Philosophales" schrieb er 1930 von einer Kraft, die "ganze Städte in Sekunden auslöschen" könne. Fünfzehn Jahre vor Hiroshima. Entweder war er ein Prophet. Oder er kannte Leute, die Dinge wussten, die sie nicht hätten wissen sollen.
*Regieanweisung: Kim geht zum Fenster, Blick in die Nacht*
Das Interessanteste an Fulcanelli ist nicht, was er wusste. Es ist, wie gründlich er verschwand.
Keine Fehler. Keine losen Enden. Keine ehemaligen Liebschaften, die plaudern. Keine Nachbarn, die ihn beim Müllrausbringen sahen. Er hinterließ nichts als seine Bücher — und selbst die gab er einem Schüler, der sie nach seinem Verschwinden veröffentlichte.
Als hätte er gewusst, dass er gehen würde. Als hätte er es geplant.
*Regieanweisung: langsam, nachdenklich*
Manche Männer wollen unsterblich werden. Fulcanelli wollte etwas Besseres: Er wollte ein Geheimnis bleiben. Und das ist ihm gelungen.
Die Kathedralen stehen noch. Notre-Dame brennt und wird wieder aufgebaut. Die Symbole bleiben in den Steinen — wer sie lesen kann, liest sie. Wer nicht, sieht nur Wasserspeier.
Fulcanelli ist längst tot. Oder er sitzt irgendwo in einem Café in Sevilla und lacht über uns alle.
*Regieanweisung: Kim dreht sich um, hebt das Glas*
Auf den Mann ohne Gesicht. Möge er ewig rätselhaft bleiben.