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Quick & Dirty
Die Straße von Hormus
03. März 2026
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Das Barrel kostet heute Morgen 82 Dollar. Gestern noch 72. Vorgestern noch 67.
Drei Tage. Fünfzehn Dollar. Und die Welt schaut auf eine Meerenge, die nicht breiter ist als der Hudson River — die Straße von Hormus. Durch sie fließt ein Fünftel des weltweiten Öls. Und seit amerikanisch-israelische Raketen iranischen Boden getroffen haben, fragt sich jeder: Wie lange noch?
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Öl ist keine Ware. Öl ist Politik in flüssiger Form.
Wer das vergisst, dem erklären es die Märkte gern — mit dem Terminkalender der Eskalation. Montag: Angriff. Dienstag: Ölpreis steigt. Mittwoch: Ölpreis steigt weiter. Donnerstag: Bernstein hebt Prognose auf 80 Dollar. Freitag: Im Extremfall, sagen die Analysten, könnten es 120 sein. Vielleicht 150.
150 Dollar pro Barrel.
Das letzte Mal, dass Öl dort stand, war 2008. Kurz bevor die Welt in die schlimmste Finanzkrise seit der Depression rutschte.
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Iran sitzt an der Flaschenhals-Geographie schlechthin. Die Straße von Hormus, 55 Kilometer schmal an der engsten Stelle — Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Irak, Iran selbst pumpen ihr Öl durch diesen Kanal in die Welt. Jede Störung ist kein regionales Problem. Jede Störung ist ein globales.
Teheran weiß das. Washington weiß das. Und die Händler an den Terminbörsen wissen es auch — deshalb kaufen sie gerade, was das Zeug hält.
OPEC? Hat Förderausweitung angekündigt. Ein freundliches Versprechen an nervöse Märkte. Aber OPEC-Versprechen und OPEC-Lieferungen sind zwei verschiedene Dinge — das weiß die Branche seit 1973.
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Trump hat Sanktionen verschärft. Hat auf *maximum pressure* gesetzt gegen Teheran. Hat dabei offenbar nicht einkalkuliert, dass maximaler Druck manchmal maximale Reaktion erzeugt.
Oder er hat es einkalkuliert — und findet es nützlich.
Ein hoher Ölpreis schadet Europa. Schadet China. Schadet jedem, der Öl importiert. Und Amerika? Amerika hat Texas. Hat North Dakota. Hat Schieferöl in Mengen, die bei 80 Dollar pro Barrel plötzlich wieder profitabel werden. Die Fondmanager in Houston stehen schon bereit, hat ein Insider letzte Woche erzählt. Sie warten nur auf das Zeichen.
Vielleicht ist das Zeichen gerade gefallen.
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Für die einfache Rechnung: Jeder Dollar mehr pro Barrel ist ungefähr ein Cent mehr pro Liter an der Zapfsäule. Fünfzehn Dollar in drei Tagen — das fühlt man beim Tanken. Bei 120 Dollar fühlt man es beim Heizen. Bei 150 fühlt man es überall.
Die Straße von Hormus ist schmal. Aber ihre Schatten fallen lang.
*Kim Benet, Terminal Tribune*