*Die Luft in der Redaktion ist schwer wie ein vergessener Fluch, der sich in den Teppichen festgefressen hat. Irgendwo tropft ein Wasserhahn. Der Whiskey in meinem Glas hat die Farbe von verbranntem Zucker, die der Nacht von Genf. Ich trinke ihn in kleinen, gezierten Schlucken, als könnte ich damit die Wahrheit einfangen, bevor sie mich verschlingt. Draußen, irgendwo zwischen den Schatten der Diplomatenflügel, wird Geschichte geschrieben – oder verraten. Die Frage ist nur: Wer spielt hier mit wem?*
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Der Iran hat sein Messer in den Tisch von Genf gerammt, nicht mit einem Hieb, sondern mit der langsamen, zärtlichen Präzision eines Giftmörders, der dem Opfer erst das letzte Stück Brot reicht, bevor er die Dosis erhöht. Ihr Entwurf für ein neues Atomabkommen ist kein Friedensangebot, sondern ein Köder – süßlich, verführerisch, mit dem bitteren Nachgeschmack von Verrat. Teheran weiß: Die USA beißen nicht. Nicht so schnell, nicht so leicht. Und genau das ist der Punkt. Washington hat sich in den letzten Jahren wie ein Mann in einem leeren Zimmer bewegt, der immer wieder gegen die Wände tritt, um zu hören, ob sie noch stehen. Der Iran aber hat die Wände längst unterminiert.
*Das Knistern des Papiers unter meinen Fingern erinnert mich an die Haut von Katzen, die in der Dämmerung über die Dächer streifen. Jede Zeile des Entwurfs riecht nach Öl, nach Korruption, nach dem Schweiß der Männer, die im Verborgenen die Fäden ziehen. Die Europäer jubeln bereits über die „Dynamik“ in Genf, als wäre ein Hauch von Diplomatie ein Heilmittel gegen die Pest. Sie sehen nicht, dass der Iran ihnen gerade das Messer in die Hand drückt und sie bittet, sich selbst zu ersticken.*
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Die USA stehen vor einer Wahl, die sich anfühlt wie ein Schuss in den eigenen Fuß – nur dass diesmal die Kugel aus Teheran kommt. Der iranische Entwurf ist kein Gegenangebot, sondern eine Falle, konstruiert mit der Geduld eines Jägers, der weiß, dass seine Beute schon lange gejagt wird. Die USA haben in den letzten Jahren jede Verhandlungsrunde mit einem Albtraum begonnen: Sanktionen, die wie eine Faust um die Luftröhre des Irans geschlossen sind, Drohungen, die sich in leere Drohungen auflösen, und eine Regierung in Washington, die zwischen Pragmatismus und Ego schwankt wie ein betrunkener Matrose auf einem kippenden Deck.
*Der Whiskey brennt jetzt wie ein schlechtes Gewissen. Ich denke an die Männer in Genf, die sich in ihren Anzügen wie Leichen in Särchen bewegen. Der Iran hat ihnen ein Abkommen angeboten, das nicht bindet – es ist ein Ablenkungsmanöver, während Teheran weiter seine Zentrifugen dreht, während die USA sich in Diskussionen verlieren, die schon gewonnen sind. Die Europäer, diese naive Schar von Hoffnungsträgern, glauben, sie könnten die Ukraine retten, während sie gleichzeitig den Iran in die Arme nehmen. Sie verstehen nicht, dass Diplomatie keine Moral ist, sondern ein Messer, das man an der falschen Stelle ansetzt.*
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Teheran wird nicht nachgeben. Das ist kein Geheimnis, sondern eine Tatsache, die sich wie ein Stein im Magen anfühlt. Die Ayatollahs haben gelernt: Jedes Mal, wenn sie ein Stück nachgeben, wird es ihnen mit einem ganzen Arm vergolten. Die USA haben seit 2015 alles versucht – Druck, Drohungen, wirtschaftliche Erpressung – und am Ende sitzen sie immer noch mit leeren Händen da. Der neue iranische Entwurf ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Strategie. Teheran weiß, dass Washington nicht bereit ist, für ein Atomabkommen einen Krieg zu riskieren. Also lässt man Washington in den Sand laufen, während man heimlich die Uhr zurückdreht.
*Die Nacht in Genf ist kalt wie der Atem eines Mannes, der kurz davor steht, eine Pistole aufzuheben. Ich trinke meinen Whiskey und denke an die Frauen im Iran, die nicht wissen, ob sie morgen noch atmen dürfen. An die Kinder, die in den Ruinen von Gaza lernen, was es bedeutet, von der Welt vergessen zu werden. Der iranische Entwurf ist kein Friedensschritt – er ist ein Tritt in den Hintern der Geschichte. Und die USA? Sie stehen da wie ein Mann, der gerade begriffen hat, dass er nackt ist.*
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Die Europäer werden es nicht sehen. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, sich selbst zu feiern, zu glauben, dass sie die Welt retten können, wenn sie nur hart genug verhandeln. Sie werden den iranischen Entwurf als „Fortschritt“ verkaufen, als ob Worte allein die Welt verändern könnten. Sie werden die Augen vor der Wahrheit verschließen, weil sie Angst haben, dass die Wahrheit zu schmerzhaft ist. Aber die Wahrheit ist ein Messer, das in der Hand des Irans liegt – und sie sticht direkt ins Herz von Washington.
*Der Whiskey ist jetzt eiskalt. Ich stehe auf, gehe zum Fenster und schaue hinaus auf die Stadt, die wie eine verwundete Schlange im Dunkeln liegt. Irgendwo dort unten verhandeln Männer über ihr eigenes Ende. Ich frage mich, ob sie wissen, dass sie schon verloren haben, bevor sie überhaupt angefangen haben.*
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Der Iran wird nicht nachgeben. Die USA werden nicht gewinnen. Die Europäer werden weiter reden, als wäre die Welt noch ein Ort, an dem Diplomatie funktioniert. Aber sie irren sich. Die wahre Gefahr liegt nicht in den Atomzentrifugen Teherans, sondern in der Blindheit derer, die glauben, sie könnten die Welt mit Worten retten. Die Wahrheit ist eine Klinge, und sie wird irgendwann jemanden treffen. Vielleicht ist es schon zu spät.
*Ich gehe zurück zu meinem Schreibtisch, nehme einen letzten Schluck Whiskey und beginne zu schreiben. Die Worte fließen wie Blut auf dem Papier. Irgendwo in Genf wird Geschichte geschrieben – oder verraten. Ich hoffe nur, dass jemand sie später noch lesen kann.*
— Kim Benet, *Silk & Shadows*