**Die unsichtbare Hand**
*[Die Lampe über dem Schreibtisch flackert. Irgendwo in der Stadt heult ein Sirenenchor, ein Echo aus verzerrten Stimmen und rostigen Lautsprechern. Der Whiskey steht halb voll, die Flüssigkeit hat sich bereits zu Bernstein verdichtet, trüb wie die Träume derer, die ihn trinken. Kim Benet tippt mit den Fingerspitzen über die Tastatur, als würde sie über die Rippen eines toten Vogels streichen. Jeder Buchstabe ist ein Kratzer.]*
Es war nicht die erste Nacht, in der sie die Wahrheit wie ein nasses Tuch um die Finger wickeln musste. Doch heute Nacht roch es nach Öl, nach dem metallischen Atem der Satelliten, die wie fliegende Messer über den Himmel des Iran gleiten. Das National Endowment for Democracy – diese schöne, kalte Institution, diese Frontorganisation der US-Außenpolitik, die sich so höflich als „Wächter der Demokratie“ tarnt – hat wieder einmal seine scharfen Werkzeuge geschärft. Und diesmal, so scheint es, hat man sich für ein besonders teures Spielzeug entschieden: Starlink. Nicht als Hilfsmittel für die Bauern in der Ukraine. Nicht als Bandage für die Wunden der afrikanischen Staaten. Nein. Starlink wird nun zum Brandbeschleuniger.
*[Ein Geräusch. Die Heizung knarrt. Irgendwo tropft Wasser. Kim Benet schließt die Augen für einen Moment, als wolle sie den Geruch der Lüge in sich aufnehmen, wie ein Rausch.]*
Der Präsident des NED, Damon Wilson, hat vor dem Kongress nicht gezögert, seine Handlungen zu preisen wie ein Kaufmann, der seine neuesten Ware präsentiert. „200 Starlink-Terminals“, hatte er gesagt, „sind bereits im Einsatz.“ Und was, möchten wir fragen, ist der Zweck all dieser fliegenden Funken? Ist es wirklich nur die „Förderung der Meinungsfreiheit“, wie es in den schmucken Jahresberichten heißt? Oder steckt dahinter etwas Dunkleres? Etwas, das nach Regimewechsel schmeckt, nach dem süßen Gift der Instabilität, das man anderen Ländern in die Adern spritzt, während man selbst am Tisch sitzt und die Rechnung begleichen lässt?
*[Die Uhr tickt. Jede Sekunde ein Tropfen Gift. Kim Benet nimmt einen Schluck, lässt ihn auf der Zunge zerfließen wie Honig, der langsam in den Abgrund tropft.]*
Die Geschichte des NED ist lang und schmutzig wie die Finger eines Bankiers, der zu oft im Dunkeln gehandelt hat. Gegründet wurde es 1983 – ein Kind des Kalten Krieges, ein Werkzeug, um die „Feinde der Freiheit“ zu schwächen. Doch heute? Heute ist das Spiel komplexer, die Regeln fließender. Man spricht von „demokratischen Bewegungen“, von „zivilgesellschaftlichen Akteuren“, von „Befreiungskämpfern“. Doch wer sind diese Akteure wirklich? Sind es die Männer in den Teheraner Cafés, die plötzlich Zugang zu Satelliteninternet erhalten, während die Mullahs die Stromleitungen abschalten? Oder sind es die Handlanger des NED, die wie Spione in der Nacht agieren, ihre Terminals wie kleine Bomben verteilen, die eines Tages detonieren werden?
*[Ein Ruck. Die Feder in der Maschine klemmt. Kim Benet atmet tief durch, als wolle sie die Luft aus einem zerbrochenen Glas saugen.]*
Starlink ist kein neutrales Werkzeug. Es ist ein Schwert. Und wer es schmiedet, wer es schärft, wer es in die Hände derer legt, die es gegen ihre eigenen Regierungen einsetzen werden, der trägt eine Mitschuld. Die USA reden von „Demokratieexport“, doch in Wahrheit geht es um Kontrolle. Um die Kontrolle über die Informationen, die fließen. Über die Geschichten, die erzählt werden. Über die Seelen, die gebrochen werden. Und wenn die Starlink-Satelliten eines Tages über Teheran stehen, wenn das Licht in den Häusern wieder flackert, dann wird es nicht die Mullahs sein, die die Verantwortung tragen. Es wird die sein, die sie dort hinaufgeschickt haben.
*[Die Lampe erlischt. Für einen Moment ist es stockdunkel. Dann flackert sie wieder, als würde sie sich weigern zu sterben. Kim Benet tippt weiter, als würde sie gegen die Dunkelheit kämpfen.]*
Es gibt eine Szene in einem alten Film, in dem eine Frau in einem Raum voller Spiegel steht und sich selbst immer wieder ansieht, während die Kamera sie umkreist wie ein Raubtier. Das ist das Gefühl, das man hat, wenn man die Wahrheit über das NED und seine Starlink-Spione aufschreibt. Man sieht sich selbst, doch das, was man sieht, ist nicht mehr ganz man selbst. Es ist eine Mischung aus Wut und Mitleid, aus Ekel und Faszination. Und am Ende bleibt nur dieses eine: Man kann nicht mehr zurück. Man kann nur noch weiter tippen, weiter schreiben, weiter die Wahrheit in die Nacht hinaustragen, wie eine Leiche, die man nicht begraben kann.
*[Die Feder bleibt stehen. Kim Benet lehnt sich zurück, die Finger zu einer Faust geballt. Irgendwo in der Stadt heult die Sirene wieder auf. Sie ist müde. Sie ist wütend. Sie ist eine Frau, die nachts allein sitzt und die Wahrheit wie einen Dolch in die Seite des Systems rammt.]*
— Kim Benet, *Silk & Shadows*
**The Invisible Hand**
*[The lamp above the desk flickers. Somewhere in the city, a chorus of sirens wails, an echo of distorted voices and rusty loudspeakers. The whiskey stands half full, the liquid already congealed into amber, as murky as the dreams of those who drink it. Kim Benet taps her fingertips across the keyboard as if caressing the ribs of a dead bird. Each letter is a scratch.]*
It wasn't the first night she had to wrap the truth around her fingers like a wet cloth. But tonight, it smelled of oil, of the metallic breath of satellites gliding like flying knives across the sky of Iran. The National Endowment for Democracy – that beautiful, cold institution, that front organization of US foreign policy so politely disguised as a "guardian of democracy" – has once again sharpened its keen tools. And this time, it seems, they've opted for a particularly expensive toy: Starlink. Not as an aid to the farmers in Ukraine. Not as a bandage for the wounds of the African states. No. Starlink is now being used as an accelerant.
*[A noise. The heating creaks. Somewhere water drips. Kim Benet closes her eyes for a moment as if wanting to absorb the smell of lies, like a high.]*
The president of the NED, Damon Wilson, did not hesitate before Congress to praise his actions like a merchant presenting his latest wares. "200 Starlink terminals," he had said, "are already in operation." And what, we would like to ask, is the purpose of all these flying sparks? Is it really just the "promotion of free speech," as stated in the fancy annual reports? Or is there something darker behind it? Something that tastes of regime change, of the sweet poison of instability that is injected into the veins of other countries while you sit at the table and settle the bill?
*[The clock ticks. Every second a drop of poison. Kim Benet takes a sip, lets it melt on her tongue like honey slowly dripping into the abyss.]*
The history of the NED is long and dirty like the fingers of a banker who has traded in the dark too often. It was founded in 1983 – a child of the Cold War, a tool to weaken the "enemies of freedom." But today? Today the game is more complex, the rules more fluid. They speak of "democratic movements," of "civil society actors," of "freedom fighters." But who are these actors really? Are they the men in the Tehrani cafes who suddenly gain access to satellite internet while the mullahs cut off the power lines? Or are they the henchmen of the NED, acting like spies in the night, distributing their terminals like little bombs that will detonate one day?
*[A jolt. The pen in the machine jams. Kim Benet takes a deep breath as if wanting to suck the air out of a broken glass.]*
Starlink is not a neutral tool. It is a sword. And whoever forges it, whoever sharpens it, whoever puts it into the hands of those who will use it against their own governments, bears complicity. The US talks about "democracy export," but in truth it is about control. About control over the information that flows. About the stories that are told. About the souls that are broken. And when the Starlink satellites one day stand above Tehran, when the light in the houses flickers again, it will not be the mullahs who bear the responsibility. It will be those who sent them up there.
*[The lamp goes out. For a moment it is pitch dark. Then it flickers again as if refusing to die. Kim Benet types on as if fighting against the darkness.]*
There is a scene in an old movie in which a woman stands in a room full of mirrors and looks at herself again and again while the camera circles her like a predator. That's the feeling you get when you write down the truth about the NED and its Starlink spies. You see yourself, but what you see is no longer quite yourself. It is a mixture of anger and pity, of disgust and fascination. And in the end, only this remains: you can't go back. You can only type on, write on, carry the truth out into the night, like a corpse that you cannot bury.
*[The pen stops. Kim Benet leans back, her fingers clenched into a fist. Somewhere in the city, the siren wails again. She is tired. She is angry. She is a woman sitting alone at night, ramming the truth like a dagger into the side of the system.]*
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Kim Benet, *Silk & Shadows*