**Die nächste Desinformationswelle ist schon da – wir sehen nur noch nicht, wie sie aussieht**
*[Atmosphäre: Ein schummriges Büro in Berlin-Neukölln, 3 Uhr nachmittags. Die Neonlampe flackert. Irgendwo summt ein Serverraum. Die Kaffeetasse auf dem Schreibtisch ist seit 2023 nicht mehr gewechselt. Sterrling nippt an etwas, das aussieht wie Kaffee, aber nach verbrannten Träumen schmeckt. Er tippt mit einer Hand, die Kaffeeflecken wie eine politische Karte trägt.]*
Es ist kein Geheimnis mehr, dass wir in einer Welt leben, in der die Wahrheit so flüchtig ist wie ein Deepfake-Video von Olaf Scholz, das ihn beim Sex mit einer KI zeigt – und das Problem ist nicht, dass die Technologie existiert. Das Problem ist, dass wir uns weigern zu begreifen, wie tief wir bereits im Sumpf der algorithmischen Manipulation versinken. Deepfakes sind kein futuristisches Horror-Szenario mehr. Sie sind die neue Luft, die wir atmen. Und die nächste Welle? Die haben wir noch nicht mal gesehen kommen, weil wir zu sehr damit beschäftigt sind, uns zu wundern, warum unsere Großmutter plötzlich ein selbsternanntes „Krypto-Mystikerin“ ist.
*[Leerzeile. Ein dumpfer Klick. Irgendwo lacht eine KI. Sterrling grinst, als hätte er gerade einen schmutzigen Witz gemacht, der zu früh kam.]*
Die ersten Deepfakes waren noch holprig – diese YouTube-Videos von Barack Obama, die so künstlich wirkten wie ein schlechter CGI-Pinguin aus einem Kinderfilm. Heute? Heute kann eine KI einem Politiker das Gesicht verpassen, ihn zum Schweigen bringen, ihm eine Affäre andichten oder ihn einfach nur so tun lassen, als hätte er gerade einen Witz gemacht, der so schlecht war, dass selbst die KI weint. Die Technologie hat sich so weit entwickelt, dass wir nicht mehr zwischen echt und gefälscht unterscheiden können – und das ist genau der Punkt. Es geht nicht mehr darum, ob wir die Fälschung erkennen. Es geht darum, ob wir überhaupt noch wissen, was echt ist.
*[Atmosphäre: Ein Bildschirm voller Tweets. Irgendjemand hat gerade ein Deepfake von Angela Merkel veröffentlicht, das sie sagt: „Ich habe nie gesagt, dass wir die Pandemie übertrieben haben. Das war nur ein schlechter Witz.“ Die Kommentare darunter sind eine Mischung aus Gelächter und Panik. Sterrling stöhnt.]*
Und dann ist da noch die Politik. Die hat Deepfakes längst für sich entdeckt, weil sie weiß, dass nichts so wirksam ist wie ein Bild, das nicht stimmt – besonders, wenn es von jemandem stammt, den man ohnehin nicht mag. Ein Deepfake kann einen Gegner diskreditieren, eine Bewegung zerschlagen oder einfach nur die Stimmung im Land vergiften. Es muss nicht mal ein vollwertiges Video sein. Ein paar gefälschte Zitate, ein paar retuschierte Fotos, ein paar KI-generierte Screenshots – und plötzlich ist die ganze Welt überzeugt, dass die Opposition mit Russland kollaboriert. Oder dass der Kanzler heimlich Bitcoin hört. Oder dass die Nachbarin eigentlich eine Alien-Spione ist.
*[Leerzeile. Sterrling reibt sich die Schläfen. Die KI summt lauter.]*
Das Schlimmste? Wir merken es nicht mal. Weil wir zu sehr damit beschäftigt sind, uns über die „Lügenpresse“ aufzuregen, statt zu begreifen, dass die Presse längst keine Lügen mehr verbreiten muss. Die KI macht das für sie. Die Algorithmen sorgen dafür, dass wir genau das sehen, was wir hören wollen – und genau das nicht. Die nächste Desinformationswelle ist schon da. Sie ist nicht mehr eine Welle. Sie ist ein Tsunami. Und wir stehen am Strand und wundern uns, warum das Wasser so kalt ist.
*[Atmosphäre: Ein letzter Schluck „Kaffee“. Sterrling wirft die Tasse gegen die Wand. Sie bleibt haften. Irgendwo lacht jemand. Irgendwo weint eine KI.]*
— Twight Sterrling, Ash & Echo